Band 
Schweitzersches Museum. 1789. Fünfter Jahrgang. [7-12. Heft.]
Entstehung
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Aber was uns von dieser Seite abgeht, das wird unsvon einer andern ersetzt. Die Schriften eben dieser gros-sen , guten und weisen Männer sind es, die unserm 'Geisteeben diese Richtung geben; die uns jenen schnellen undrichtigen Wahrheilssinn, jene männliche Einfalt, jenesfeine Gefühl des Schönen und Häßlichen, jene Grösseund Erhabenheit der Gesinnungen einflössen können, wel-che das Gepräge des vollendeten Mannes, und des gros.scn Schriftstellers ausmachen.

Kein Mensch kann mehr davon entfernt seyn, den Werthhistorischer Kenntnisse und einer gründlichen Gelehrsamkeitherabzusetzen, als ich. Um denken zu können, muß manvor allem aus Stoff zum Denken haben; und von derAusdehnung und Vollständigkeit unsers Wissens hängt auchgrossen Theil die Richtigkeit unsrer Erkenntniß ab. Aberdieses behaupte ich, daß ohne die vorbereitende Kultur,welche daö Studium der schönen Wissenschaften, und für»aus der klaßifchen Litteratur unserm Geiste verschafk, Ge-lehrsamkeit, in wie fern sie sich mehr die Bedürfnisse desGeistes als des Körpers zum Ziel setzt, und auf eigentli»che Aufklärung losarbeitet, selten einen enkschiednen, selbst-ständigen Werth hat; daß sie eben so wohl dem Irrthumals der Wahrheit fröhnen, und ein Werkzeug der elende-sten Sophisterey, des zügellosesten Fanatismus, und desschändlichsten Aberglaubens werden kann.

Man setze mir ja nicht das Beyspiel einiger vortrefl-cherKöpfe entgegen, welchen jenes feine Gefühl, und, wennich so reden darf, jener Geschmack des Wahren und Gu-ten angebohrcn zu seyn scheint, und welche, ohne denGrazien geopfert zu haben, von der geraden Bahn derVernunft und der Wahrheit nie abgewichen sind. Dießsind Ausnahmen, die ich nicht läugne, und die mich nichtwiderlegen. Dagegen sprechen für mich unzählige Bey,spiele von Schulweisen, welche mit einer ungeheuern Ge.