Band 
Schweitzersches Museum. 1789. Fünfter Jahrgang. [7-12. Heft.]
Entstehung
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den Seneca ; indeß machte er es erst nach Ronsseans Hin»schied. Wenn die Einsamkeit fruchtbar ist an tiefsinnigenund grossen Ideen, so ist sie nicht weniger fruchtbar anseltsamen Einfällen. Daher jene Ungleichheiten in demCharackter des Rousseau. Seine herrschende Idee bliebimmer, daß der Mensch sich allzuweit von der Natur enl-fernl hätte, und daß unsere bürgerliche Ausbildung schlechtsey. Er mochte wohl nicht ganz Unrecht haben; alleinsein Geist fiel gern auf Extreme. Seine Gesinnungen ver-rieth er zuerji in der Abhandlung über die Ungleichheitder Menschen. Hernach entwickelte er sie sowohl in sei.nem Emil als in seiner Abhandlung über den gesellschaft.lichen Vertrag. Beyde Bücher druckte er zu Amsterdamunter seinem Namen, als Bürger zu Genf. Eine ver-stohlene Ausgabe des Emil besorgte er zu Paris; jedochauch diese trug den Namen Amsterdam auf dem Titel.In dem dritten Theil dieses Werkes erscheint das Glau.bensbekenntniß des savoyischen Vicars; und es ward vonbeyden Partheyen verworfen, von den Ungläubigen undvon den Rechtgläubigen. Das Buch über den gesellschaft-lichen Vertrag drang anfangs nicht in Frankreich , ver,breitete sich aber desto schneller zu Genf. Für diesen Staatwar es um so viel gefährlicher als für viele andere, weilohnehin seit vielen Jahren daselbst bürgerliche Unruhengährcten. Der Verfasser will, daß alle drey Jahre dieBürgergemeinde gefragt werden sollte: Ob mau auf den-selben Fuß fortleben, oder ob ma» die Staatöverfassungund die öffentliche Verwaltung abändern wolle? Ueber-haupt gieng er noch weiter, als selbst Lenieps vormals inseinem Entwurf zu einer unbedingten Demokratie nichtgethan. In Verhältniß gegen die Natifs und Habitans ,(d. i. die Ausdürger,) wie auch in Verhältniß gegen dasLandvolk, blieb nach Lenieps die Bürgerschaft noch immergleichsam eine Erb-Aristocratie; in Rücksicht auf ihre Raths,