Band 
Schweitzersches Museum. 1789. Fünfter Jahrgang. [7-12. Heft.]
Entstehung
JPEG-Download
 

Nun jst man am Ziele der Wallfarth — nun steht mandie heilige Quelle.

Sey mir gegrüßt, mit brünstiger Freundschaft gegrüßt,Tellina, du Meisterstück der schaffenden Hand Gottes!werth von jedem gesehen — werth von jedem besungen zuwerden! Zwar als du das erste Mal froh dem gebähren«den Felsen enthüpftest, stellte dich dein Schöpfer auf kei«nen öffentlichen Platz, den Menschen zur immerwahren.den Schau, die, bald an dich gewöhnt, deine Grösse ver-kannt und angeeckelt hätten; wie sie sich auch an dieSonne gewöhnen, und dieses herrlichste Geschöpf so sehraus der Acht lassen, daß ste bisweilen nichts mehr vonihrem Daseyn wüßten , wenn ste nicht davon gebrannt wür«den. Nein! du lebest unbekannt und stille; damit die Men.schen, wenn ste dich zu oft sähen, dich nicht verachten,und, wenn ste dich selten sehen, bewundern, Tellina!Schooskind der Natur, die dich so geliebt hat, daß stedas ganze Füllhorn ihrer Schönheiten mit großmüthigerVerschwendung auf dich ausgegossen zu haben scheint. Dusprudelst sanft aus der Mündung deines väterlichen Felsenhervor, und eilst mit eilender Sorge (so hat dir deinSchöpfer befohlen) der lieben Riva zu, dort aus lebendi.gen Brunnen zum Nutzen der Bürger zu Messen. Die dudes Dichters Seel' erfüllest, wenn er in frohem Erstaunendich anschaut, bewundert und hinsinkt — du reihest jeden,der dir nahet; und ich sollte gleichgültig bleiben? DieGrotte, die du bewohnst; der Bach, der zu deinen Füs.sen vorüberrauscht; das Gewölb der Buchen, die dich inihren Schutz nehmen — alles trägt zu deiner Verherrlichungbey. Könnt' ich dir ewig Nachruhm versprechen und mitprophetischer Stimme zurufen! »Auch dein Name wirdgroß nnter den Quellen seyn, die Horaz, Petrarca undje noch Dichter besungen haben». Freund! ist es nichtZeit, daß wir mit der Quelle auch diesen Brief beurlau»