Band 
Schweitzersches Museum. 1785. Zweyter Jahrgang.
Entstehung
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Die Tugend blendende Chimäre,

Und Prahlerey Gefühl der Ehre;

Und Großmut!) ist dir Flitterschein.

Bald kriechest du gleich einer SchlangeIn labyrinthischkrummem Gange,

Versteckest unter Blumen dich:

Des Wandrers Füsse zu umschlinge»/

Dein Mördcrgift ihm beyzubringen,

Erhebt dein Kamm sich fürchterlich.

Schlau, wie ein Hofmann, kannst du schmeichelnMehr als kein Loyoliste heucheln;

Doch Spitzestacheln hat dein Herz.

Du küssest nur mit Judasküssen;

Kaum wirst den Bruder du umschlichen,Durchborrt dein Dolch sein klopfend Herz.

Du hauchest deine schwarzen DünsteAuf Menschheit ehrende Verdienste;

Und siehest nicht verblendter Thor —

Sie dringen durch die Nebelsphäre,

Wie Phöbus durch die Wolkenheere,

In hellerm Sonnenglanz hervor?

So drängen blinde LeidenschaftenVom Ziele weg den Lasterhaften,

Nach dem im Wettekampf er ringt.

Du willst zum Wüchse des PigmeenErniedrigt jenen Coloß scheu,

Der dir dein Blut in Wallung bringt.

Doch du, Pigmee! wirst nicht grösser,

Dein krummer Zwergenwuchs nicht besser,

Obschon zum Riesen hingestellt.

Ganz überschattet vom Colosse ,

Sieht man dich nicht, du Aftersprvsse,

Auf den kein Stral des Lichtes fällt.

Du willst dein winzig Selbsterhöhen,

Dich» wie der Frosch der Fabel, blähen ,

Und borstest, wie der Frosch, entzwey.