Band 
Schweitzersches Museum. 1785. Zweyter Jahrgang.
Entstehung
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de Empfindung für denjenigen der sie blos obenhin mitfünf Sinnen anschaut. Nur, wer ihre Werke umstand«lich betrachtet und durchgedacht hat, nur der hat jenenVorschmack seliger Empfindungen, welche höhere Geister,die jenseits den Vorhang menschlicher Sinne sehen, al«lein zu empfinden fähig sind. Eben diese Empfindungenerhöhen sich verhältnißmäßig mit der gelehrten Erkennt«niß der Natur: Sie sind nur kurtze Zuckungen für Pole«micker, seltene Stunden für den Gläubigen, vielleicht dieSeligkeit selbst jenseits seiner Gruft.

Die wahre Theologie ist überall wo die Wahrheit;und, wer die ersten Grundsätze dieser Wissenschaft zuempfinden fähig ist, wird Gott in jeder Wahrheit erken-nen. Also wird der Gottesgclehrte nur dadurch tüchtiggebildet, daß er hell siehet; und jede Wissenschaft leitetzur Erkenntniß der Religion, die im Grunde nichts an-ders ist als das höchste Resultat unsrer Kenntnisse.

Auch ist zu bemerken, daß hundert neun und vierzigJahre lang die Republik unter einem einzigen Professorin der Theologie vielleicht so viel Religion hatte, als seitdieser Zeit mit zweyen. Da also die Regierung nicht füreine Bürgerklasse allein Professoren besolden kann, so istallerdings anzurathen, daß das Fechtkathcdcr mit der Zeitgegen die Naturgeschichte vertauschet werde.

Wenn auch wirklich die Regierung aus Güte oderNachgiebigkeit zwey Theologische Professoren besolden woll-te, so könnten die Schüler bey so vielen Stunden keineandern als die wenigen Wissenschaften tüchtig erlernen diesie nun wissen, und müßten also den allernützlichsten Stu-dien entsagen. Denn man bedenke doch endlich eine höchst«wichtige und überall vergessene Erziehungsregel: Daßnämlich die eigentlichen Wissenschaften weder für sich nochfür andre einigen Nutzen gewahren wo sie nicht bis «sseinen gewissen Grad ergründet worden sind. Dieser