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Rom : Erinnerungen aus dem Gebiete der Religion, Geschichte und Kunst während des französischen Feldzuges in den Jahre 1849 und 1850 / von Gräfin Eugenia de la Rochère ; aus dem Französischen übersetzt von Baron von S.
Entstehung
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empfindet, welche sich niemals mit der Unmöglichkeit ent-schuldigt, weil ihr nichts unmöglich ist; diese göttliche Liebe,welche sich stets nach oben hebt gleich einer lebendigen undlodernden Flamme, und welche ihre Stärke durch Alles nurverdoppelt, was man anwendet, um ihr Einhalt zu thun*).Laß auch deinen Segen über Alle ausströmen, die ich liebe,möge ihr Leben in Frieden dahin fließen wie ein klarerQuell durch einen mit Blumen geschmückten Garten; beschützedie heilige katholisch-apostolische und römische Kirche. Sanf-ter Stern des Meeres, führe das Schiff des heiligen Pe-trus, welches so oft von den Stürmen hin und her geschau-kelt worden, zwischen den Klippen hindurch, die es bedrohen,und gib der Hauptstadt der christlichen Welt, der Wittweihres ersten Hirten ihren Papst wieder, nach dem sie solange verlangt.

Während ich so betete, vernahm ich ein Geräusch vonSchlüsseln, eine langsame und näselnde Stimme kündigtemir an, daß es Zeit sei, die Kirche zu verlassen; mein Wa-gen stand vor der Thüre Und nach einigen Minuten langteich an meiner Wohnung an; mein Bruder erwartete michmit der Zeitung in der Hand.Dieses Blatt versichert, daßder Papst bald nach Rom zurückkehrt," sagte er zu mir.

Ach!" sagte ich zu mir,die heilige Jungfrau hatmehr gethan, als meine Wünsche zu erhören, sie ist densel-ben zuvorgekommen; möge es Gott gefallen, daß es auch somit den andern Bitten gehe, die ich zu ihr gerichtet habe."

Nun sagte mein Bruder, welcher über mein Schweigenerstaunt war.Ich glaubte, du würdest eine sehr große Freudeüber diese Nachricht haben."

Ich bin wirklich heute sehr zufrieden," antwortete ichihm,und mehr noch, als ich dir sagen kann"; aber in dem

') Nachfolge Jesu Christi. Buch III. Cap. 5.