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Wallenstein als Kriegsbefehtshabcr bis zum Jahr 1625.
Ohne Rücksicht auf Zugesagtes ließ er im Jahr 1623 durchdes Kaisers rastloseste Gegner, den Grafen Heinrich Matthiasvon Thuru und den Jägerndorfer, zu neuen Feindseligkeiten sichaufstacheln. Gegen ihn sandle der Kaiser den Marchese Ca-raffa von Montenegro. Am dritten Juni war Wallenstein alsOberstfcldwachtmeister über alleö Kriegsvolk zn Fuß bestalltworden, mit einem Monatsgehalt von vierhundert Gulden t)-Als solcher nahm er Theil an diesem Feldzug. Wie dann dieUngarn das Heer bei Göding eingeschlossen hielten, leisteteer zu dessen Befreiung wesentliche Dienste.
Drei Monate nach jener Ernennung sah sich Wallensteinmit dem Fürstendiplom beehrt 2), wonach er den durch seineerste Gemahlin ihm angefallenen Titeln von Whsedin, Luckau,Rimniz und Milotiz denjenigen: Regierer des Hauses Wall-stein und Friedland voranstellen mochte, in kaiserlichen Erlassenihm die Benennung Oheim sollte gegeben werden. Bei dieserEchebung tritt Wallensteins eigenstes Wesen, wie es in derFolge in allem seinem Thun und in allen seinen Bestrebungensich kund gibt, unverwcilt zu Tage. Sobald ihm nämlich dieBeehrung zu Theil geworden, bediente er sich des Ausdruckesvon „Gottes Gnaden;" indeß der lange vorher durch KaiserRudolph in ähnlicher Weise emporgehobene Carl von Lichten-stein denselben sich nicht erlaubte. Zwei Tage später H wurdeder kaiserliche Lehenbrief über Friedland ausgefertigt, achtund-vierzig Güter, die Wallenstein mit dieser Herrschaft vereinigt,sind darin aufgeführt; nach einem halben Jahre waren neunandere dazu gekommen H, sechs in den folgenden drei Jah-
>) Original-Concept im Kriegsa.
Die Acte voi» 7. Sept. 1623 ini Archiv d. HC.Den 9. Sept.; Abschrift im Kriegsa.
4) Lehenbrief vom 5. März 1624; im A. b. HC.