Wallenstekn sammelt eine Armee.
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Aussicht auf gute Musterplätze, reiche Quartiere und ergiebigeErpressuugen. Jetzt seyeu die Beutel der Befehlshaber gefüllt,die Lebensmittel aufgezehrt, um das Weitere bekümmere sichNiemand; Keiner nehme der Kranken sich an, Keiner erbarmesich der Nothleidenden, daher der arme Soldat von dem Gegnersich werde werben lassen, welcher auf diese Weise mittelst einigertausend Thaler mehr ausrichte, als durch langwieriges Kriegfüh-ren. Bei fortwährendem Soldmangel müsse-die Noth bei derkaiserlichen Armee täglich größer werden." Das leuchtete inWien ein; man erkannte die Nothwendigkeit einer wohlgeord-neten Einrichtung des Kriegswesens, sandts^deßhalb den Gra-fen Collalto als Feldmarschall zu Wallensteins Heer. Alleindieser, welcher Männer, die nicht von ihm abhängig warenoder geschmeidig seinem Willen sich fügten, niemals gern inseiner Nähe sah, wußte denselben bald seiner Stellung über-drüssig zu machen, so daß er wenige Wochen später zurück-schrieb : er könne nicht länger bei dem Heere bleiben, sein Amtnicht mit Reputation und zu Sr. Mas. Nutzen führen
Die Besorgnisse, welche der Churfürst von Bayern ge-äußert hatte, wußte freilich Wallenstein abzuwenden, aber ineiner Weise, welche durch vier Jahre steigende Klagen hervor-rief und die getreuesten Anhänger des Kaisers eben so schwerenDrangsalen unterwarf, wie die unversöhnlichsten Feinde des-selben. Daß der Quarticrmeister des Obersten Colloredo indas Erzstift Magdeburg eingerückt war, von den Aemtern desDomcapitels alles Getreide abführen ließ, läßt sich sowohl durchdie feindselige Gesinnung desselben, vornämlich des Admini-strators, des brandenburgischen Markgrafen Christian Wilhelm,als durch nothgedrungene Fürsorge für das KriegSvolk recht-
es Arettn Wallenstein S. N, aus den Berichte» des bayerischenAgenten §» Wien II, Lenker.