64 Wailensteins Kriegsthaten ini Jabr 1626.
ordnet würde, der der Liebe der Soldaten sich erfreue und deman Kriegserfahrenheit kein Anderer sich gleichstellen könne
Weniger in errungenen als in klug, sey es nun strategisch,sey es politisch, benutzten Siegen bewährt sich der Scharfblickund die Thatkraft des hervorragenden Feldherrn. Siege kön-nen oftmals die Wirkung einer glücklichen, selbst unerwartetenWendung seyn; jedenfalls gehört ebensowohl das Geschick deruntergeordneten Führer als die Tapferkeit der Soldaten dazu.Daß aber aus dem errungenen Siege der möglichste Vortheilgezogen werde, dieses hängt einzig von der Besonnenheit undder Regsamkeit des Feldherrn ab. Das hatte, die Erfahrungbenützend, die er nach der Schlacht am Weißenberg gemacht,der Churfürst von Bayern alsbald durchschaut, indem er demKaiser schrieb: „man wird den Frieden im Reich merklich be-fördern, wenn man sich der jetzigen Victorie recht bedienen,eilfertig und mit tapferem Ernst darauf setzen und die rechtenMittel ergreifen wird ^2)." Das Alles wurde von Wallensteinverabsäumt. Bei schnellerer Verfolgung des Feindes würdeihm dessen gänzliche Aufreibung leicht geworden seyn. Stattdessen gönnte er Mansfeld alle Zeit, um in der Mark Bran-denburg sich festzusetzen, dort seine Streitkräfte herzustellen, denHerzog von Sachsen-Weimar an sich zu ziehen, den Bund mitBethlen zu erneuern und die Erblande des Kaisers abermalszu bedrohen.
Wallenstein rechtfertigte sich freilich nachher vor dem Kai-ser damit, daß, hätte er Mansfeld verfolgt, viele und mäch-tige Feinde über Tilly würden losgebrochen seyn, der jetzt ihrer
") Aretin Wallenstein, aus Lenkers Bericht vom 27.Mai 1626.
*2) Des Churfürsten Schreiben an den Kaiser vom 13. Mai; im Reichsa.Leiver fehlt der dabei angekündigte, weitläufige Discurs (Gutachten) überdas Wie.