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Zur Geschichte Wallensteins / durch Friedrich von Hurter
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74 Wallensteins Kriegsvölker in Deutschland.

spruch nehmen, daß bei Durchführung eines vielleicht bloß theo-retisch geträumien Bessern auf Kosten des rechtlich Bestehenden,die angewendeten Mittel außerhalb des Bereiches der Würdi-gung lägen? Ist es den Churfürsten von Mainz und vonBayern (sie waren die Organe der übrigen katholischen Für-sten) zu verargen, wenn die Stellung sie kränkte, welcheWallenstein gegen ihren hochverdienten Feldherrn (der doch nichtminder auch des Kaisers Feldherr war) sich anmaßte? Aberes kam noch Anderes hinzu, was sie mit Recht mißstimmenmußte.

Schon im April 1626 bemerkte der Churfürst von Bayerndem Kaiser 2): Mainz klage bitter über die Werbungen undMusterplätze in der Wetterau. Hiedurch werde nicht allein dasErzstift ganz erschöpft, sondern auch bei den vornehmsten Reichs-ständen Unwille geweckt. Gleiche Beschwerde erhebe Trier gegenden Grafen von Merode, der die Werbplätze in diesem Stiftaufgeschlagen habe. Zwar wurde das churfürstliche Gebietdieses Heerhaufens bald entledigt, aber nur weil derselbe an-deres geistliches Land heimsuchen sollte. Merode zog mit8000 Mann nach Erfurt und verlangte dort, einen Befehl vonWallenstein vorschützend, 100,000 Thaler zu Befriedigung sei-nes Volkes; welche Summe er endlich, doch mit kurzen Zah-lungsfristen, auf die Hälfte herunterfeilschen ließ H. Wie aberWallenstein dergleichen Erpressungen beurtheilte, zeigt folgendereigenhändiger Brief desselben

2z Sein Schreiben von, 30. April, im St-A.

2) Schreiben des Churfürsten von Mainz an den Kaiser vom 9. Juli;in, St.A.

0 Im St.A. An wen in Wien (etwa an den Grafen Trautma»sdorf?zer sehe gerichtet gewesen, läßt sich nicht ermitteln, da die Adresse fehlt.