95
3 Kapitel. Absatz.
Wesen slttd Prigenes, Thcodorus Bischof zu Mopsueste,und Rufirms ein Priester zu Aquileja. Pelagius war inBritannien gebohren, und in den Münchenstand eingetreten.Cälestiur hatte als ein Mönch auch in; Kloster gelebet; seinVaterland aber ist nicht bekannt. Die Irrthümer der Pela-gianer bestunden hauptsächlich in diesem. Adam sey von Gottals ein sterblicher Mensch erschaffen worden, und er würdegestorben seyn, möchte er gesündiget haben, oder nicht. Erhabe durch seine Sünde sich allein geschadet, und nicht auchseinen Nachkömmlingen. Den Kindern hange die Uneinig-keit der Erbsünde nicht an ; und mithin sey selben auch dieTaufe zur Seligkeit nicht nothwendig. Die Begierlichkeithabe an sich Nichts böses. Es gebe keine Sünden einer Ver-gessenheit oder Unwissenheit. Der Tob und die übrigen Mü-heseligkeiten dieses Lebens seyn keine Strafen derSünde. Dieohne die Taufe sterbenden Kinder gelangen zu einem ewigenLeben, welches von der ewigen Glückseligkeit unterschiedenist : denn daß die nicht Getauften in das Himmelreich nichteingehen können, liessen sie zu. Die Freyheit des Menschensey nach der Sünde eben so unverlehet und vollkommen, alssie im Stande der Unschuld gewesen. Es stehe bey dem Men-schen von aller Begierlichkeit, böser Lust, und unrechter Ge-müthsbewegung frey zu leben. Die Tugenden seyn keine Ga-ben Gottes, sondern nur natürliche Wirkungen der Freyheit.Wenn sie etwa zugaben , daß man etwas eine Gnade nen§nen, und diese nothwendig zu seyn sagen möchte, verstundensie unter dem Worte Gnade Nichts anderes als die Naturselbst, und den freyen Willen, oder natürliche Gaben, oderäußerliche Gnaden; zum Beyspiele, das Gesetz, die Unter-weisung, gute Beyspiele, Wunderwerke, die Gabe derSprachen rc oder eine Gnade, welche dem Gemüthe durcheine innerliche Erleuchtung zukäme, nicht aber in dem Wil-len aufgenommen würde. Denn wenn sie Vieles zugaben,war es dieses, daß selbe Gnade, welche nicht nur in demGemüthe, sondern auch im Willen aufgenommen würde ,nützlich sey, aber nicht nothwendig; und man sie durch den
Zu-