Buch 
Katholische Unterweisungen nach der Weise einer Christenlehre, in welchen, was immer zu der Religionsgeschichte, und den Lehren, Sitten, Sacramenten, Gebethen, Gebräuchen, und Uebungen der Kirche gehöret, insgesammt in einem kurzen Begriffe aus den heiligen Gründen der göttlichen Schrift und Uebergabe deutlich gezeiget wird / aus der französischen Sprache in die lateinische gebracht ... von dem Verfasser und auch Uebersetzer Franciscus Amatus Pouget ... ; aus der lateinischen Sprache in die deutsche übersetzet, und ... vermehrt von einem Priester aus dem Orden des heiligen Benedictus
Entstehung
JPEG-Download
 

220

z Theil. 2 Abtheilung.

nüchtern bleiben auf unterschiedliche Stunden gefeßetwar,auch das Meßopfer früher oder später verrichtet wurde. Manhielt vormals die feyerliche Messe täglich nach der dritten,das ist, um die neunte nach Mitternacht. An den Fastta-gen unter dem Jahre wurde sie erst nach der sechsten Stunde,das ist, um Mittag gehalten, weil das Fasten erst um dieneunte Tagesstunde aufhörete: in der Fastenzeit aber nachder neunten Tagesstunde, das ist, um die dritte Stundenach dem Mittage, weil das Fasten erst am Abende bey derSonnen Untergänge aufhörete.

Von diesem Brauche findt man bey uns noch einige An-zeigen in allen Kirchen, wo die priesterlichen Tagzeiten verrich«tet werden ; denn man halt täglich die Messe nach der Terz inden Tagzeiten; an den Vigilien aber und Quaiembern nachder Sert; und in der Faste» nach der Non. Daß die Stundedieser Tagzciten früher gehalten werde, habe ich oben (Im rTh. 4 Abth. ü Kap. r Abs.) schon angezeiget, wo ich vonder vierzigtägigen Fastenzeit gehandelt habe.

Was aber die gemeine Verrichtung des Meßopfers betrifft,ist vormals nur dieses flüssig beobachtet worden, daß der Prie-ster, ohne auf eine gewisse Stunde zu sehen, noch nüchternseyn mußte. Jht ist dieses verordnet worden, daß man eSnicht vor der Morgendämmerung , oder nach dem Mittageverrichte. * Doch ist in dem Kirchenspreng-l von Paris er,laubet an den Fasttagen eine wenige Zeit nach dem Mittagedie Messe zu lesen; welcher Brauch ein mehreres von demAlterthume zu haben scheint. Einem Pfarrer ist nicht erlau»'bet die zur Pfarcmeffe und andern feycrlichen Gottesdienstenvorgeschriebene Stunde wegen der vornehmen Herren oderFrauen also eher anzufangen , daß selbe eher oder später ver-richtet werden: wie es dann auch durch königliche Befehle ver-

bo-

* Mehrere Gottesqelchrte , und unter diesen auch AntoineCHieol. Nor. DriH. äeLvcliar. c.Z, <). 4.) UNdDilltiart (Oom-r»en6.1'keol. I'om. DsK. <ie Cvcksr. Oiüert. 8, »rt. 7.)sagen, daß es im Winter beläuftig anderthalb Stunde vor der Mor-genröthe zum Guten der Handwerker und Ehehalten vermöge einer inmehrcrn Ländern schon eingeführten Gewohnheit die Messe zu lesenerlaubet sey, und auch wirklich, wie wir es wissen, geschehe.