Erstes Kapitel«
Die Venefts oder Schöpfungsgeschichte.
Schöpfung.
Im Anfange schuf Gott Himmel und Erde und Alles, wasdarin ist. Hierauf ordnete er die gestaltlose und wirre Masse, schieddas Wasser von der Erde, befahl dieser, Pflanzen und Kräuter,jenem die kriechenden» fliegenden, schwimmenden und alle andernThiere hervorzubringen, und sah, daß alles, was er gethan hatte,gut war. Zuletzt erschuf er den Menschen nach seinem Ebenbilde,gab ihm Seele, Geist, Liebe und Freiheit, und bestellte ihn gleich-sam zu seinem Stellvertreter und Priester, um die anderen Geschöpfezu regieren und den Schöpfer zu preisen. Hierauf machte er ihmeine Gefährtin und gründete von Anfang an die häusliche Gesell-schaft, die Familie, welche die Grundlage aller übrigen Gesell-schaften ist.
Die ersten vernünftigen Wesen begnügten sich indessen nicht mitihrem glückseligen Zustande. Nach der Erkenntniß höherer Dingestrebend, mißbrauchten sie die Gaben Gottes; hiedurch eröffneten sie! gleich im Beginne die Wunden, von denen seitdem die Menschheitbeständig gequält wurde. Sie konnten mit ihrem freien WillenGott oder sich selbst lieben, Gott in der Welt finden: sie wähltenaber das Böse; daher die vergeblichen Versuche, zu einem Wissenzu gelangen, welches uns stets entgeht und uns fruchtlos verzehrt,daher die Gefahren der Freiheit, deren Name so süß, deren Gebrauchso schwer, deren Mißbrauch so bitter ist, daher das unstillbare Ver-