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Weise werden die Irrungen und Täuschungen des Lebens vondem alten Zerrissenen, dem hebräischen Childe Harold, durch-gesprochen, bis er sogar zu der Aeußerung gelangt: „Gott prü-fet sie (die Menschen) und zeiget ihnen, daß sie wie das Thiersind. Darum kommt der Mensch um wie das Thier, und EinSchicksal haben beide: wie der Mensch stirbt, so stirbt auch dies:Alle athmen auf gleiche Weise, und nichts hat der Mensch mehr alsdas Thier, Alles fällt der Eitelkeit anheim." So alt sind diese Irr-thümer bereits! Der Weise erhebt sich gegen dieselben, indem erdaran erinnert, daß Gott alles gute und böse Thun prüft undrichtet. Von dem belehrenden Ton erheben sich diese philosophischenBücher an einzelnen Stellen zur Poesie, wie in dem Lob der Weis-heit, in dem Gemälde des Müssiggangs.
Eine Anschauung der Sitten der Hebräer gewähren folgendezwei Frauenbilder:
„Mein Sohn ... Sag zu der Weisheit: Du bist meine Schwe-ster ! und nenne die Klugheit deine Freundin, damit sie dich bewahrevor dem fremden Weibe, das süße Wovte spricht. Denn ich schauteaus dem Fenster meines Hauses durch das Gitter, und sah diejungen Leute, und ward gewahr eines thörichten Jünglings, der aufder Straße vorbeiging am Eck, und nahe bei dem Wege ihresHauses im Dunkeln dahinschritt, da der Tag sich geneiget... Undsiehe! Ein Weib kam ihm entgegen im Courtisanenschmuck, geschickt,die Seelen zu fangen, geschwätzig und flatterhaft, der Ruhe unge-wohnt, deren Füße im Hause nicht weilen können, die jetzt draußen,jetzt auf den Straßen, jetzt an den Ecken lauert. Sie erfaßte denJüngling, und küßte ihn, und schmeichelte ihm mit frecher Miene,und sprach: Ich habe Schlachtopfer gelobet für mein Heil, und heutemeine Gelübde bezahlt: darum bin ich dir entgegengegangen, mitdem Verlangen dich zu sehen, und ich fand dich. Ich habe meinBett mit Bändern geziert, mit bunten Teppichen aus Egppten be-legt, mit Myrrhe, Aloe und Zimmet mein Schlafgemach besprengt.Komm, laß uns trunken werden von Liebe, und genießen, bis derTag anbricht; denn mein Mann ist nicht in seinem Hause, ist fort-gezogen auf eine weite Reise, hat den Geldsack mitgenommen, undwird erst am Tage des Vollmonds wieder in sein Haus kommen.So verstrickte sie ihn mit vielen Reden, und riß ihn fort durch dieSchmeicheleien ihrer Lippen. Er folget ihr alsbald nach, wie einOchs zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein mutwilligesLamm, und der Thor weiß nicht, daß er in die Fesseln gelegt wird: