512
eine einzige Periode Hieroglyphen auf einem Papyrus zu lesen. Esist indessen zu hoffen, daß die Verglcichung der unzähligen Figuren,von der ungeheuren Pyramide bis zum kleinsten Amulct, von denmonumentalen Inschriften bis zu den Hüllen der Mumien, verbun-den mit der Kenntniß der koptischen Sprache, eines Tages die Le-sung dieser geheimnißvollen Schrift gelingen lassen werde.
Mit ungeheuren Anstrengungen die Pyramide von Cephren er-reichend, beschließt Belzoni deren Inneres zu erforschen; nach lan-gen Bemühungen gelingt es ihm, den Eingang zu entdecken, welcherdurch Kunst und Trümmer versteckt ist. Er windet sich durch vonGang zu Gang, von Schacht zu Schacht bis zum Grabgewölbe;er findet in demselben einen Sarkophag : aber dieser Sarkophag ent-hält nur das Gerippe eines Ochsen. Gerade so geht es mit denHieroglyphen, denn all das aufgewendete Studium und die bewun-dernswerthe Ausdauer der Forscher hat bisher anoch kein erhebli-ches Resultat erzielt. Mehr denn einmal, als man schon die Schätzedes Urwissens zu erschließen gedachte, entdeckte man lediglich denNamen irgend eines Königs oder irgend einen Nrtheilsspruch, oderInschriften als Votivtafeln oder Epitaphien*).
So geht es mit den menschlichen Dingen: man wähnt in ihnendas Glück und Wissen zu finden, und entdeckt nichts als den Todund das Nichts.
Das von Rosellini so fleißig erforschte hicroglyphischc Denkmal wirdfolgendermaßen von ihm wiedergegeben. ^Zum Heile des Königs,vollkommene Opferungen dem Amon, dem Könige der Götter, die Be-schützer Theben's find, damit er den Todten gewähre eine gute Freistattmit Nahrung von Ochsen und Eiern, Lebeusmittcl und Wasser, Wachs,wohlriechende Essenzen für alle Jahre der Ucberschwemmnng, Wein undMilch für die ganze Dauer des Laufes der Sonue, des Gottes derFröhlichkeit: Thaut möge ihnen seine Reinigungen bewilligen in allenVersammlungen des Himmels und der Erde: dem verstorben» SchalAmonmal von seinem Sohne dargebrachte Gabe.