560
welchen die Gottheit von einem Tempel zum andern gebracht wirdDer Jndier führt beständig ouri>, der Egyptcr »» im Munde, undalle beide glauben an das Todtengericht unter dem Beistände einesfreundlichen und feindlichen Genius, welches Gericht den Bösen derHölle überweise. Beide glauben an die Seelenwanderung und stim-men sogar überein in der Anzahl der Stufen und der Länge derPerioden, welche die Seelen zu durchlaufen haben.
Bei beiden Völkern bemerkt man außerdem einen gleich großenEifer für den Feldbau und einen gleich geformten Pflug, eine gleichgroße Geschicklichkeit im Weben der Baumwolle, die erlaubte, abernicht verbreitete Polygamie, verworfene, selbst der allgemeinen Men-schenrechte beraubte Kasten.
Als der englische Kapitaler Burr von der indischen Division miteinem Corps Jndier nach Egypten gegen Bonaparte geschickt ward»fand er, daß die an dem Tempel von Denderah dargestellten Priestermit denen an den Ufern des Ganges eine große Aehntichkeit hatten.„Unsere Jndier, sagt er, betrachteten diese Ruinen mit einer ehr-furchtsvollen Bewunderung wegen der Aehnkichkeit zwischen den ver-schiedenen Figuren, die sie vor sich sahen, und den Gottheiten ihresVaterlandes; darum hielten sie auch diesen Tempel für das Werkeines ihrer Rak-Schahs, der dieses Land besucht habe"
Können so viele Beziehungen nur zufällige sein? Bedeuten sielediglich einen gemeinschaftlichen Ursprung, oder daß die Kolonie,welche Egypten civilisirte, aus Indien gekommen sei? Nach derTradition waren es wirklich von Brahminen geführte Jndier, wahr-scheinlich Banianen. Die egyptischen Gräber sind voll indischerStoffe, Edelsteine und Geräthe, welche einen Verkehr zwischen beidenLändern bezeugen, trotz der alten Meinung, welche dem Volke derPharaonen einen unüberwindlichen Abscheu vor dem Meere zu-schreibt. Sogar der Name des Manethes, des Vaters der egypti-schen Civilisation, welcher Aehnlichkcit mit dem des Jndier's Mann ch)hat, könnte dafür zeugen, daß irgend eine bis an die Westküste des
') Pritchard stellt eine ausführliche Werglcichnng zwischen den beiden Re-ligionen an, benutzt hiebei aber aus System weder die Monumente, nochdie neuen Entdeckungen.
") UilMotli. bi-itann, XXXVIII.
ch) Carver erzählt in seinen 'IXavels ilioouxch tlre interior parts ok naitliXmerion, daß gewiße wilde Völkerschaften unter der Gestalt einer großenSchlange einen Geist Manitn anbeten. Dies käme unserer oben auf-gestellten Hypothese zu Hülfe.