dem Augenblick an eine gute Richtung der neuern Literatur undWissenschaft anerkennen, als sie in den Pfad der alten einlenkt.
Andere Geschichtschreiber lassen das Mittelalter mit dem Un-tergang des Lehenwesens endigen, wo dann wieder der Einwandzu erheben ist, daß das Lehenwesen sich bereits frühe an denitalienischen Municipicn brach, in gewissen Ländern niemals Wur-zel schlug, dagegen in andern bis zur französischen Revolution sicherhielt, ja in einigen noch jetzt nicht ganz verschwunden ist. Hatman insbesondere die geistige Entwicklung im Auge, so kann mandas Mittelalter vom h. Augustiners und BoethiuS an bis aufBaco und DescarteS, d. h. während der ganzen Periode, wodie Scholastik herrschte, andauern lassen. Wieder Andere möchtenes bestehen lassen biSzur sogenannten Reformation und bezeichnenals katholische die Jahrhunderte, welche zwischen dem Falle deralten bürgerlichen Ordnung, wo die Kirche ihren Aufschwungnahm, und der Periode liegen, wo deren wunderbare Einheit sichzersetzte; diese Auffassung kann man eben so vernünftig als groß-artig nennen,- da sie nicht nur die Ereignisse, sondern auch dieallgemeinsten und erhabensten Ideen, nämlich die religiösen, inihren Kreis zieht. Was uns anbelangt, so werden wir uns derMehrzahl der Geschichtschreiber anschließen und daS Mittelalterfortführen bis gegen Ende des fünfzehnten Jahrhunderts, in welcheEpoche gewisse Ereignisse von allgemeiner Wichtigkeit fallen: soder Fall des oströmischen RcichS, welches zwar in seinem erbärm-lichen TodeSkampfe einen in der That nur geringen Einfluß aufdie Civilisation ausübte, aber durch seinen Zusammensturz einenBarbarenstaät auf europäischem Boden Wurzel schlagen läßt, wäh-rend durch die Eroberung Granada's ein anderer daraus entferntwirdferner wird der Buchdruck erfunden, das letzte große Lehenin Frankreich, die Bretagne, mit der Krone vereinigt, macht inDeutschland der ewige Landfriede dem Faustrecht ein Ende, ver-räth der Einfall Karl's VIII in Italien die Schwäche diesesLandes, wogegen seine Kultur die Alpen übersteigt und eine ganzeReihe von Kriegen und Bündnissen, die bis auf unsere Zeit her-abreicht, eröffnet; es wird das Vorgebirge dest guten Hoffnungumschifft, Amerika entdeckt, Luther geboren.
Dem Geschichtschreiber, der an dieser Periode anlangt, häufensich die Schwierigkeiten unter der Feder, denn nicht mehr wie inden klassischen Zeiten hat er Eine große Ration vor sich, die inihren kreisenden Wirbel die übrigen hineinzieht, gleich der Linse,