Band 
Fünfter Band.
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gläubigkeit, die noch klarer sich ausspricht, wenn er SokrateSüber Jesus Christus, die Lehre des Epiktet oder des Koransüber das Evangelium erhebt. Kleinlich in seiner Beurtheilungder erhabensten Dinge; absichtlich kalt wie ein Mondstrahl/ der/die schlafende Natur beleuchtend/ sie entfärbt/ ein Verdienst dareinsetzend/ stets der Schleppträger der öffentlichen Meinung zu sein,möchte er jede Bewunderung ersticken/ möge deren Gegenstand derh. AthanasiuS oder Skanderbeg/ die christlichen Märtyreroder die italienischen Republikaner sein. Ueberläßt er sich wirk-lich einmal einer Regung des Enthusiasmus / so weiß er schnellWieder eine lächerliche Seite herauszufinden/ um nur ja nicht sei-ner von vornherein angenommenen eisigen Trockenheit untreu zuwerden, und zeigt eine besondere Neigung zu burlesken oder un-edel» Zusammenstellungen, die ihm zu seinen geschmacklosen Epi-grammen die Spitzen darbieten. Darum findet in ihm, wie inBayle, die Bosheit stets einen Genuß, Redlichkeit und Scham-gefühl Ursache, zu erzittern*).

Dies sind nun die Schriftsteller, aus denen man gewöhnlichdie Kenntniß und die Geringschätzung des Mittelalters schöpft**).Auch ich laS diese Bücher mit aller der Gier und allem dem Ge-nuß, welche die Jugend nach der verbotenen Frucht hinziehenund ich ging gleichfalls in die Schlinge, wie daö des Alters, wel-ches hört und glaubt, LooS ist; als ich jedoch in das Alter ge-langte, welches wählt und erwägt, entdeckte ich den Hochmuth,der darin liegt, Karl den Großen, Gerbert, Gottfried v.Bouillon, Ludwig jiX, Philipp-August, Alfred, Kanut,

*) In Deutschland dürste solches indeß weniger als in Italien und Frankreichder Fall sein, womit wir jedoch keineswegs sagen wollen, das Mittelalrerfinde nur bei uns im Allgemeinen die gebührende, die vorurtheilsfreieWürdigung. Wir verweisen auf unser Vorwort. D. B.

Gibbon erzählt uns, daß „die hauptsächlichen Ereignisse dieser Welt von,Cbarakter eines einzelnen Acteurs abhängen." (I.XV, B. XII, die Ansg. v.Guiz ot.) „Der Religion von Dschengiö-Khan gebühren vor Allen,unsere Lobsprüche und unsere Bewunderung. Er starb reich an Jahrenund an Ruhm." Der Leser wolle insbesondere folgende Stelle beherzigen :„Man entdeckt eine eigenthümliche Uebereinstimmung zwischen den religiö-sen Gesetzen von Dschengis-Khan und denen Locke's" — eine merk-würdige Weise, einen Philosophen des 18. Jahrhunderts zu loben, indemman ihn mit einem Tartaren des 1Z. vergleicht' Einen Philosophen, dersich vielleicht der Vergleichung mit dem h. Thomas v. Aqnin geschämthaben würde!