Band 
Fünfter Band.
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beute»/ hatten ihm gegen alles Bestehende ein feindseliges Ge-fühl cingestößt/ welches bald stch in Wuth verwandelte. DasWerk der Zerstörung schritt fort/ das Werk der Wiedergeburtwar noch ein Geheimniß; darum zweifelte der Mensch/ Zeuge sovieler Katastrophen/ an der göttlichen Vernunft/ um nicht an sei-ner eigenen zweifeln zu müssen.

Gott ward geläugnet/ gcläugnet sein Wort/ d. h. das Ge-schehene. Man begriff nicht mehr/ daß die Geschichte / die Ver-gangenheit im Wesen der Dinge selbst enthalten seien/ und wüthigzerschlug man Lehen/ Monarchie/ Aristokratie/ Klerus. Dieseraschen Bewegungen bilden den grellsten Widerspruch mit denlangsamen/ aber sichern Fortschritten/ vermittelst deren das Mit-telalter die Menschheit von den Irrungen des Heidenthums undder rohen Gewalt der Barbaren befreite. Ueber diese Zeiten derFinsterniß hinwegspringend/ deren Institutionen man eben so blind-wüthig behandelte/ wie man ihre Denkmäler und Gräber zerstörte/wollte man die Revolution an die klassischen Erinnerungen an-knüpfen/ indem man ihr griechische und römische Formen undAeußerungen verlieh und auf den entheiligten Altären den tyran-nischen Götzendienst des Staates und des soldatischen Ruhmesfeierte.

Was entstand daraus? Die Menschen und ihre Führer sahensich hinaus geschleudert aus der Wirklichkeit/ auS der Geschichteund allen Bedingungen deö Möglichen. Der Baum war gefälltworden/ ehe man noch seine Früchte hatte erndten können; einallzu schnelles und bitteres Erwachen bewies/ wie sehr diese großeund unvermeidliche Bewegung entstellt worden war durch abstrakteIdeen und veraltete Vorurthcile.

Roch aber ist der Zeitpunkt der Beurtheilung nicht gekom-men ; die Bemerkung genüge hier/ daß wenn die Geschichte Lehrenertheilt/ selbst diejenigen deren erhalten/ die sie mitleben; undsie erhielten deren gar bedeutungsvolle von den zeitgenössischenEreignissen/ welche sie auf eine gerechtere Würdigung der Ver-gangenheit führten. Die Geschichte/ um wohl verstanden zu wer-de«/ verlangt zwei getrennte Studien: eine genaue Prüfung derEreignisse und ihre gehörige Auslegung, Die erstere war bereitsglücklich begonnen/ eS blieb nur noch übrig/ dem Bilde Färbungzu gebe«/ den Ereignissen ihre gehörige Bedeutung / ihren Cha-rakter/ ihr Leben zu vindiciren. Die Revolution hat ihr Werkvollendet/ indem sie die Trümmer des Mimlalterö/ zwischen denen

Ea nku, Weltgeschichte. V. 3