Band 
Fünfter Band.
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den die KriegSstandarten aufbewahrt. In Fällen großer Gefahrlegten fich die Priester auf den Boden nieder und sprachen ihreWünsche in eine am Boden angebrachte Oeffnung; die ihnen zuTheil werdende Antwort verkündeten sie/ nachdem sie die Oeffnungwieder mit Rasen bedeckt hatten- dem harrenden Volke.

Zu Rethra, in der nämlichen Gegend/ erwies man dem R a-delgarst (Rather)/ dem Gott der Sonne- Ehre und Macht, einebesondere Verehrung; seine Statue war von Gold, mit einerBüffelhaut bekleidet und eine Lanze in der Hand. Sieba (Siwa)war die Göttin der Fruchtbarkeit und Liebe; ihre Statue stellteein junges Mädchen dar/ dessen Haare, als einzige Bekleidung,bis zu den Knieen niederstoßen; in der rechten Hand hielt eSeinen Apfel, eine Traube in der linken.

Der König sprach Recht in einem Walde, wo der Altar desProwe, deö Gottes der Gerechtigkeit, aufgestellt war. DerSchuldige, welcher in dieses heilige WaldeSdunkel zu siüchten ver-mochte, war gerettet. FlinS, der Gott des Todes, ward alsGerippe, mit einem Löwen auf den Schultern, dargestellt.

Die Slaven verehrten auch die Natur und erholten sich beiheiligen Quellen und Eichen Raths ob der Zukunft. Wer dasOrakel befragen wollte, opferte den Göttern Ochsen und Schafe,von denen die Priester das Beste nahmen und das Uebrige demVolk überließen. Nach dem Opfer warf man auf der einen Seiteweiß, auf der andern schwarz gefärbte Stückchen Holz in die Luftund eS war ein günstiges Zeichen, fielen sie auf der weißen Seitezur Erde.

Die sehr mächtigen Priester erhoben von jedem Einzelneneinen Beitrag zu ihrer und des Tempels Unterhaltung. Sie hat-te» überdem Anspruch auf ein Drittel der gemachten Beute. Siewaren Richter und Gesetzgeber, die Vollzieher des Willens desWoiwoden oder Fürsten, traten im Namen der Götter auf, hattenden öffentlichen Schatz unter ihrem Verwahr.

In den Stämmen, welche, wie die Obotriten, einen Könighatten, ward dieser vom Volke erwählt: auf einem Berge legteer seine Hand in die eines Mannes vom Stamme und schwurtreue Befolgung der Sitten und der Religion. DaS Volk konnteihm Macht und Leben rauben, zuweilen opferte man ihn beigroßen Unglücksfällen, als deren Ursache, den Göttern. Noch mäch-tiger als der Kriegerstand war der Stand der Priester; derselbebildete eine Hierarchie mit einem Oberhaupt oder Patriarchen;