474
Gewalt entgegengesetzten und des Widerstandes gegen dieselbefähigen politischen Autorität/ welche sich auf die im Elende stetswachsende christliche Liebe und auf die religiöse Wissenschaft stützte/die zunahm im Verhältnisse/ als die Profangelehrsamkeit sank.AlS unter Conftantin der Kampf der Kirche gegen die Staats-religion aufhörte/ befestigte sich natürlich jener Einfluß der Kirche;waS der Thron oder die Municipalgewalt an Ansehen verlor/ kamden Bischöfen zu Gute? die stets bereit waren/ alle Pflichten undAmtslasten zu übernehme«/ vermöge deren ste irgend etwas zumBesten ihrer Heerden thun konnten. Bereits zur Zeit des Ver-falls deS römischen Reichs erscheinen unS die Päpste und Bischöfein einer erhabenen Gestalt/ ausgestattet mit einer/ neben der Ohn-macht der Kirche um so großartiger erscheinenden Wirksamkeit :aber erst nach der Völkerwanderung erlangte diese großartigeMachtfülle und Thätigkeit ihre ganze Entfaltung. Den neuenKönigen gegenüber hatte die Kirche eine ganz andere Stellung/als gegenüber dem antiken Kaiserthum; da ste beim Zusammen-stürze aller übrigen die einzige geordnete Macht geblieben/ verliehihr nun dies Bewußtsein die regelmäßigen Regierungen beiwoh-nende Energie. Die Barbaren/ gewohnt/ mit der Wucht derWaffen alles zu breche«/ konnten weder durch materielle Gewaltgebändigt/ noch durch eine ihnen verächtliche oder unverständlicheLiteratur gcfittigt werden. Plötzlich aber trat der Klerus/ in demGlänze eines auf die Phantasie ungebildeter Menschen so mächtigwirkenden Pompes/ ihnen entgegen mit einfachen und klaren Re-ligionSlehren/ einer wohlgegliedcrten und einigen Hierarchie/ einemGlaube»/ welcher sich nicht an den spitzfindigen Verstand/ sondernan das glaubenSbedürftige Gemüth wandte und sich auf ein Sit-tengesetz stützte/ dessen Heiligkeit sie fühlen mußten/ selbst indemsie eS verletzten; und nicht mit Waffe«/ sondern mit Worten tratihnen dieser Klerus entgegen/ reizte nicht ihren Zorn durch hoch-mütiges Gebühren/ sondern rührte ste durch ergreifende Vorfiel-lungen und bewies ihnen/ daß ste aufhören müßten/ die Menschenauszurotten.
Und ist es nicht als ein großes Glück zu betrachte»/ daßetwas vorhanden war/ welches dem allgemeinen ZusammenstürzeEinhalt gebot/ daß wenigstens Eine Autorität sich bei den Erobe-rern Achtung zu verschaffen wußte? Waffenlose Priester wagensich unter die wilden Horden und wissen ihnen mit der Taufeeinige Begriffe von Menschlichkeit beizubringen/ sie lehren sie/ das