Band 
Fünfter Band.
JPEG-Download
 

soll zu verschonen. Da treibt die Verzweiflung eine Unzahl derdem Blutbad entronnenen Unglücklichen dazu, die Waffen zu er-greifen; zu ihrem Anführer wählen sie einen kaiserlichen Solda-ten/ Philippikas BardancS/ den Tiberiuö nach Kephaloniaverbannt hatte, weil ihm der Purpur prophezeit worden, und trie-ben die gegen sie gesandten Truppen zurück; diese fürchteten nunden Zorn des kaiserlichen Unholds, gehen zu BardancS überund rufen ihn zum Kaiser auS; sofort zieht er mit seinen zweidurch Khazarcn verstärkten Heeren nach Konftantinopel, das ibnohne Schwertstreich einläßt, während Justinian ihn zwischenChalkedon und Nikomcdia erwartet; dessen Truppen hören nichtsobald von dem Erfolge des Bardanes, alS sie sich empören unddiesem das Haupt des Kaisers schicken, welches auf Befehl desneuen AugustuS durch die Provinzen zur Schau getragen wird.So endete der Tyrann (711), nachdem er seit seiner Restituirungacht Jahre regiert; bei allen seinen Unthaten hatte er doch fürfromm gelten wollen, wie er auch zuerst auf den kaiserlichen Mim-zen das Bild Christi hatte anbringen lassen. Sein Sohn TiberiuSwurde in der Kapelle des Palastes vom Altare, den er, mit Re-liquien behängen, verzweiflungsvoll umklammert hielt, hinweg-gerissen und erdolcht. Mit ihm erlosch das Geschlecht des Hera-cliuS, welches während eines vollen Jahrhunderts den griechi-schen Thron innegehabt.

PhilippikoS. 711.

Die Erblichkeit hatte dem Reiche des Ostens schlechte Herr-scher gegeben: die freie Wahl verschaffte ihm keine besseren. UnterPhilippikoS begannen sofort die religiösen Zwistigkeiten wieder;als eifriger Monothelcte berief er eine Synode von dieser Ketzereizugethanen Bischöfen, damit sie das vom sechsten ökumenischen Concilüber selbe verhängte Anarhcm wieder aufheben möchten. Darauf-hin verweigern die Römer dem neuen Kaiser den Gehorsam undsetzen seinen Exarchen ab; es entspinnt sich sogar ein Hand-gemenge, dem nur mit Mühe Papst und Geistlichkeit ein Endemachen. Die Araber bedrohten fortwährend das Reich; unter demVorgeben, Justinian, dem sie zuletzt wieder aus Habsucht bei-gestanden, zu rächen, fielen die Bulgaren in Thrakien ein, wäh-rend Philippik os unbekümmert im Palaste schwelgt oder theo-logisirt und daher bald verächtlich wird. Endlich dringt Rufus,einer seiner Hauptleute, von den Patriziern Georg und Theo-Cantu, Weltgrschickte. V, 50