886
hielt Karl noch geraume Zeit besetzt; eS waren erst unruhigeKöpfe zu bändigen, Kriegskosten einzutreiben u. dgl. *).
Ende des Lombardenreiches.
So endete das Reich der Longobarden nach mehr als drei-hundertjähriger Dauer, während welcher sie sich weder die Liebedes Volkes erwarben, noch auch einen einzigen großen Mann her-vorbrachten, was von keinem der übrigen barbarischen Völker ge-sagt werden kann. Ihr Name lebt indessen fort, denn Karlnannte sich König der Longobarden **). Obgleich sein erstes Auf-treten in Lombardien von schweren Heimsuchungen für daS Volkbegleitet war ***), unterwarf er doch bald seine Krieger einerstrengen Zucht. Da er jedoch nicht mit einer neuen Nation kam,brauchte er die alten Eigenthümer nicht zu berauben und begnügtesich, in Pavia eine fränkische Besatzung zurückzulassen und meh-reren seiner Vasallen anheimgefallene Lehen zu verleihen; die lon-gobardischen Barone und Würdeträger aber bestätigte er in ihrenLehen und Würden, wogegen sie ihm den Treueid schwören mußten.Dessen ungeachtet erschien das kräftige Regiment Karls den einessolchen ungewohnten lombardischen Herren bald unbequem. Ari-gises, Herzog von Bcnevent, der Schwiegersohn des Deside-riu ö, und trotzdem mit dem Papste wider denselben einverstanden,verschwor sich mit Hildeprand, Herzog von Spoleto, Rotg aud,Herzog von Friaul, Reginald, Herzog von Chiusi, und Adel-gis in Constantinopel zum Umsturz der fränkischen Herrschaft.Papst Hadrian aber, der sorgsam das Interesse seines Freundesund Beschützers wahrnahm, warnte Karl, welcher, bevor die
*) Dambergcr, A. a. O-
Einige behaupten. Karl habe sich auch den Erzbischof von Mailandkommen lassen, aber es ist überhaupt nicht wahrscheinlich, daß die longo-bardischen Könige gekrönt wurden; man gab ihnen lediglich die Lanze indie Hand und Paul Diakon berichtet, daß ein Kukuk sich auf die LanzeHildeprands setzte. Es ist sogar niemals von der Krönung der Ka-rolinger die Rede und die erste bestimmte Erinnerung an einen solchenAkt geht nicht weiter zurück, als bis auf das Jahr 888, wo Berenga«rius zu Pavia gekrönt wurde.
„Das Elend war so groß in jenen Tagen. daß, da die Einen vomSchwerte niedergemacht, Andere aus Mangel an Nahrung verschmachtet,wieder Andere von wilden Thieren zerrissen waren, kaum eine geringer«Anzahl von Einwohnern in den Flecken und Städten übrig blieb." Chro-nik des Priesters Andreas, nx. Nurat.