Band 
Achter Band.
JPEG-Download
 

210

Kunde von dem Geschehenen zu geben, eigentlich aber, um sichseiner Person zu bemächtigen und ihn nach Lyon zu bringen— andere Ankläger auf, besonders als Wortführer der RitterPlasian, um das vom Kanzler Vorgebrachte und seine Bittenachdrücklicher zu wiederholen. Der König, als Verfechter deSGlaubens und Vertheidiger der Kirche, möge sich der Besammlungeines allgemeinen, rechtmäßig berufenen Conzils bemühen, welchesden Papst richten sollte (nach dem byzantinischen, nun von denGallikanern adoptirten Grundsätze, das allgemeine Conzil — wcl.cheö ist ein solches? — ist über dem Papst). Am folgenden Tagewurden dem Parlamente 29 theils lächerliche, theils tolle Anklage,punkte vorgetragen gegen BonifaeiuS, von dem eö da hieß:er sei ein Erzketzer, er leugne die Unsterblichkeit der Seele, daSkünftige Leben, die wirkliche Gegenwart des Leibes Christi inder Eucharistie; er sei ein Zauberer und Hexenmeister; er predigeöffentlich, daß der Papst durch Simonie nicht sündige; er habesich auf den heil. Stuhl eingedrängt und den heiligen Cölestinermordet; dem schändlichsten Laster ergeben halte er alle Art vonUnlauterkcit für keine Sünde; übertrete schamlos das Fasten,und Abstinenzgebot; häufe unersättlich Reichthümer durch Simo.nie und Nepotismus; spotte nur über die Gebote GottcS undder Kirche, die Sakramente und alles Heilige; schimpfe auf diePrälaten und die geistlichen Orden; nähre den bittersten Haßgegen Frankreich und den König dieses Landes, reize auf zurEmpörung, und verfahre aus die gewaltthätigste und grausamsteWeise u. dgl. Für den Beweis deS Behaupteten sich auf No-garct berufend, beschwor Plasian auf dem Evangelium, daßer von der Wahrheit der Beschuldigungen überzeugt sei und sievor dem allgemeinen Conzil beweisen wolle. „Er betheuerte,nicht persönlicher Haß treibe ihn, gegen BonifaeiuS als An.kläger aufzutreten, sondern reiner Eifer für den wahren Glaubenund die heilige katholische Religion, und er bitte und beschwöre

der Jemand hindert znm heil. Stuhl sich zu begeben, ihn anzuhalten,gefangen zu setzen oder zu berauben — zumal einen Prälaten — warallerdings Philipp nun ercomnmnizirt, aber nirgends ist zu ersehen, daßdies namentlich und ausdrücklich geschehen, noch weniger, daß den Unter-thanen der Treueid gelöst worden. Man kann daher gewiß nicht sagen,der Papst habe es an Schonung fehlen lassen, vielmehr mochte sein be-dächtiges Zögern von den Widersachern für Furchtsamkeit gehalten wor-den sein. D. B.