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Achtes Kapitel.
Karl VII. — Jeanne Ä'Arc, die Jungfrau vonOrleans. — Ludwig XI.
Karl VII. 1422.
Außer der schrecklichen Heimsuchung, die ihn persönlich betraf,hatte Karl VI auch 5 Söhne dahinsterben sehen; der Ucberle-bende, Karl VII, ließ sich ohne weitere Ceremonien alS die Ent-faltung deS LilienbannerS zu Poitiers zum Könige ausrufen,während der 9 Monate alte Heinrich VI zu PariS zum Königebeider.Reiche gekrönt ward, unter der Regentschaft seines Oheims,deS tapfern und klugen Herzogs von Bedford. — Der jungeKarl VII besaß alle jene liebenswürdigen Eigenschaften, welchevorzüglich unter den Franzosen so leicht das Herz gewannen; erwar ihnen ferner der Vertreter der Legitimität und Unabhängig-keit, wozu dann noch der tief verletzte Nationalstolz kam und derfrüh bemerkte Zug im französischen Charakter, fast schwärmerischeLiebe für ihre Könige. Aber Karl war auf dem Schlachtfeldeden Engländern gegenüber nicht glücklich und nach und nach ver-lor er an sie das ganze Land nördlich von der Loire. Sie nanntenihn spoltwcise den „König von Bourges" und bereiteten sich inVerbindung mit dem Herzog von Burgund ihm den letzten ent-scheidenden Schlag zu versetzen. Inzwischen jedoch landete derRegent von England, der Herzog von Glocester, in Frankreich,um als Gemahl der Erbgräsin Jacobäa von Hennegau Hol-land, Seeland und Westfriesland zu besetzen, und da Philippvon Burgund gleichfalls Ansprüche auf dieses Erbe geltend machte,zog er gegen Glocester; Jakobäa mußte ihn als Erbe aner-kennen, falls sie kinderlos bliebe. Es hatten somit die Englän-der ihren mächtigsten Bundesgenossen verloren.
Sei es, daß er sich selbst betäuben wollte, sei eS, daß er auSPolitik so verfuhr, um die Feinde arglos zu machen, gewiß ist,daß Karl VII, trotz seiner verzweifelten Lage, den Vergnügungenund Festen lebte, als befände er sich im tiefsten Frieden, so daßein Ritter nicht umhin konnte zu äußern: Lustiger ein Königreichzu verlieren ist nicht möglich. Zu allem Glück besaß er aber