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Verfassung.
Bis dahin waren der Gebrauch und das Schwert die einzigeGrundlage für das StaatSrecht und die bezüglichen Gerechtsameder Stände, deö KönigS, deS Papstes, der Kurfürsten gewesen,und namentlich hatten sich diese Gerechtsame nur auf Vergewal-tigungen und vorausgegangene Fälle gestützt. Wir haben keinensichern Fingerzeig darüber, wie eS kam, daß die sieben Wahlfür-sten auf sich allein ein Recht beschränkten, welches nach dem Auf-hören der allgemeinen Reichstage den Häuptern der vier Natio-nen der Sachsen, Franken, Schwaben und Bayern zu gebührenschien. So war es wohl auch ursprünglich, indessen üblen nachdem Erlöschen der fränkischen und schwäbischen Herzogthümer
wurden. Indem der Kaiser einige Mächtige so sehr erhöhte und fastunabhängig machte, gab er sein schönstes Vorrecht auf. der Schirmherrder allgemeinen Freiheit zu sein, und legte selbst den ersten Grund zuder inneren Absonderung und Theilung von Deutschland, welche dannvon Stufe zu Stufe den weitem Verfall der Kaiserwürde herbeiführte.Daß er in seiner Verfassung des deutschen Reiches auf die zahlreichenslavischen Bewohner desselben Rücksicht genommen, für ihre Rechte, Her-kommen und Sprache durch eigne Anordnungen Sorge getragen, warder Gerechtigkeit gemäß; ein einzelner lobenswertster Zug an einem imGanzen so unvollkommenen Werke. Obwohl von deutschen Ahnen stam-mend, war Karl IV, in Bohmen geboren und erzogen, auch ganz ei»Böhme geworden. Zn Beziehung auf Deutschland nannte ihn Mari'milian wohl mit Recht einen Stiefvater des Reichs. Auch Burgund gaber zuerst bis auf den leeren Namen auf. und nebst Ludwig dem Bayernwar er es vorzüglich, der die Kaiserwürde in Italien um ihr altes An-sehen brachte. Karl IV besaß nicht-jene ritterlichen Tugenden, welcheseinen Ahnherrn Heinrich zur Zierde und zur Freude der deutschen Na-tion gemacht, dem Könige Johann hohen Ruhm in allen Landen Eu-ropas erworben hatten. Durch Eigenschaften anderer Art, durch aus-dauernde Thätigkeit, Kenntniß und Klugheit ward seine Herrschaft fürBöhmen wahrhaft wohlthätig und glänzend, für Deutschland wenigstensscheinbar, bis die üblen Folgen in der spätern Geschichte sich zeigen.Tiefer aber als unter seinem Sohne, dem abgesetzten Wenzel, schiendie Kaiserwürde nicht sinken zu können. — So sollte also das großeWerk der Wiederherstellung Deutschlands, welches Rudolfs Kraft be-gonnen hatte, sich nicht unmittelbar nach ihm vollenden, es sollte nocheinmal eine Art von Zwischenreich und eine lange Zeit der Verwirrungeintreten, und erst dann von seinen späten Enkeln, Maximilian undKarl, das Reich und das Kaiserthum wieder zu ihrer alten Würde er-hoben werden." Fr.Schlegel. Vorlesungen über die neuere Geschichte.
D. B.