876
Er widmete sich nun mit voller Hingabe den klassischen Studienund gewann dadurch eine so große Vorliebe für die Kulturzuständedeö Alterthums, daß seine Einbildungskraft ihm siatt des wirk-liehen, von den Päpsten den Banden der Colonna und Orsiniüberlassenen Roms die Stadt des Romulus und Augustus mit ihrenalten Helden vorspiegelte. Es konnte daher auf seine freudigeZustimmung rechnen, wer, wie Cola di Ricnzo, Versuchemachte, den „guten Zustand", d. h. das alte Rom wiederherzustellen.
Obgleich vollkommen befähigt, die Schönheiten der Klassikerzu würdigen, schmeichelte er sich doch, sie zu erreichen und ver-faßte das Heldengedicht „Afrika" über den bereits von SiliuöItaliens behandelten Gegenstand; er nahm sogar ein langesBruchstück desselben auf, was Veranlassung gab, ihn zu beschul-digen, er hätte, in dem Glauben, daS einzige vorhandene Excm-plar des Silius zu besitzen, dieses Plagiat begangen, weil erkeine Entdeckung desselben befürchtete*). Es ist eine Geschichteohne alle epische Kunst angelegt, ohne neue Episoden, ohne irgendetwas, daS Spannung und Reugicrde erregt: aber so schöneVerse hatte man seit Claudia« nicht vernommen, denn P e-trarca hatte eS durch anhaltendes Studium dahin gebracht,sich völlig zu versenken in daS Wesen der Klassiker, sich dasselbegänzlich zu eigen zu machen. Höheren poetischen Werths als die„Afrika" sind die „Eklogen", in welchen er unter dem Hirtenlebenentnommenen Bezeichnungen und Name» auf Zeitereignisse an-spielt, ohne eS zu verschmähen, zur Schmeichelei sich herbeizulassen.
Und auf diese lateinischen Dichtungen gründet er seine Hoff.nung unsterblichen Ruhmes, während derselbe vielmehr die Folgeeines an sich unbedeutenden Ereignisses in seinem Leben war.Zu Avignon nämlich verliebte er sich (1327) in Laura, Tochterdes Andibert v. NovcS und Gattin deö Hugo v. Sade**);
*) Graf Alberti in Rom besitzt ein Eremplar des Silius, das von An-fang bis zu Ende mit Randglossen von Petrarc»'s Hand beschrieben ist.
6*) Ale vviei arrive ä I'epogue In plus eritigue äe In vie üe ketrargue.Ae vvuärais xvnvoir In eouvrir 6un voile, et variier ä la pvsteritetoutes les lolies gue tut a täit laire une passiv«, gui I'a tvurniontepenckant plus äs vinxt ans, et gu'il s'est reproebeo tont le roste <lesa vio. Ile 8aäe, Nein. xour la vie cke l'. Uötrarguo, lid. II.Es ist übrigens nicht erwiesen, ob Sade das Verhältniß seiner Gattinzu Petrarca je erfuhr. Zu vergleichen Ilvao. «I'OIivier-Vitalis,I'illustre Oliatelaine äes environs äe Vauoluse.