Band 
Achter Band.
JPEG-Download
 

1302

zu bekennen und 600,000 Mark lauteres Gold, übcrdem eine Un.Masse von Edelsteinen alS Geschenk auszuliefern. Unmöglich aberwar es, ihn zu einem Religionswechsel zu vermögen; jedoch wur.den die Menschenopfer untersagt und die Bilder der heiligenJungfrau und der Heiligen traten an die Stelle der Haufen vonMenschenschädeln in den Tempeln.

Montezuma ließ sich alles dieß gefallen in dem Wahne,Cortes werde nun, den geschlossenen Verträgen gemäß, dasLand verlassen; allein statt dessen erklärte dieser die SouveränitätSpanicnS und verlangte für die nöthigen Ausgaben abermalsGold*) (1520). Da kam ihm plötzlich die Kunde, Narvaezsei mit einem Heere angekommen, um ihm Kommando und Frei.heit zu nehmen. Rasch entschlossen ging er ihm entgegen, lieferteden Mexikanern das Schauspiel eines Bruderkrieges, besiegteaber den Nebenbuhler und zwang ihn unter seinen Fahnen zudienen. Mit erhöhter Zuversicht und so ansehnlich verstärkterMacht unternahm er nun nichts Geringeres alS die UnterwerfungdeS mexikanischen Reiches. Während seiner Abwesenheit auS derHauptstadt jedoch hatte sein General Alvarado die Versamm.lung der Mexikaner zu einem Feste benutzt, um ein großes Blut.bad unter ihnen anzurichten. Das war ein Funke in die Pulver.Mine. Die Edlen knirschten ob der Erniedrigung Montezuma'ö,die Priester wegen der Profanation der Götter, Alle insgesammtwegen der ihnen angethanen nationalen Unbilden. Ein wüthen,der Aufstand bricht auS, der Palast wird erstürmt, Montezuma,der die Empörten durch Erscheinen und Ansprache besänftigenwill, alS ein Feigling beschimpft, sogar verwundet. Nicht dieseWunde, aber Gram und Betrübniß bringen ihm den Tod.

Nach dem Verluste eines so kostbaren Unterpfandes sahen dieSpanier, von allen Seiten umringt, zum Rückzüge sich genöthigt.Allein mitten auf dem See, während sie unter dem Schutze derDunkelheit den Erdwall überschreiten wollten, wurden sie von-

*) De Solls (welcher von Voltaire man weiß nicht weshalb gelobtwird. obgleich er seine Leser durch eine unerträgliche Cnchhase ermüdet)legt seinem Helden höchst theatralische Worte und Thaten bei, die augen-scheinlich nach denen anderer Helden kopirt sind; daß derselbe eine Unge-rechtigkeit oder Unklugheit begehen konnte, wird nie zugestanden, einzigaus den, Grunde, es sei dies unverträglich mit der bekannten Rechtlich-keit und Weisheit des Cortes.