Band 
Zehnter Band.
JPEG-Download
 

58

In dieser Noth bot er dem siegreichen Vetter wieder Unter-Handlungen an, der aber wiederholt erklärte, daß vorab die Nie-derlegung der böhmischen Krone erfolgen müsse. Friedrichthat dies nicht, wollte aber auch nicht das KriegSglück weiter er-proben, nicht den Versuch wagen, Prag zu halten, ein neuesHeer zu sammeln, frische Streitkräfte heranzuziehen. Mit An.halt, mit dem alten Thurn hatte er den Muth verloren, ermochte fühlen, daß er nicht der Mann sei, eine bedrohte Kronezu behaupten*). Schon in der Frühe deö nächsten Morgens floher, begleitet von seiner Gemahlin, dem Fürsten Christian vonAnhalt, dem Grafen Thurn und einigen Anderen; so eiligwar die Flucht, daß der König Krone und Scepter, Anhalt,zum Verderben Vieler, seine geheimsten Papiere zurückließ, welcheüber die Umtriebe der Unirten gegen das Haus Oesterreich seitzwei Jahren so Helles Licht verbreiten. Der Pfalzgraf begab sichzunächst nach BreSlau, um die Hülfe der Schlesier anzurufen.Jedoch ein Schreiben des Kurfürsten von Sachsen entmuthigtedie schlesischcn Stände, so daß sie nichts für Fortsetzung desKriegeS thaten, ebenso wenig half ein Aufruf an die Union mitHinweis auf die bedrängte protestantische Sache. Nicht ganzfreiwillig verließ er BreSlau, während seine Gemahlin von ihremwürdelosen Schwager, dem Kurfürsten Georg Wilhelm vonBrandenburg, mit Mühe zu Küstrin eine armselige Zufluchtü-

») „Hier kann man nun einen liefen Blick in die gänzliche Zerrüttung desböhmischen Wesens thun. Um dieses aber zu verstehen, merke: einemHerrscher in der Blüthe seiner unumschränkten Macht wird am Endeimmer gehorcht; tritt aber die Gefahr ein, wo die Befehle nicht mehrerzwungen werden können, dann wird es klar, daß sich der Thron alleinaus die Liebe und das Zutrauen der „Menge" stützt, welche die Großenin ihrem Hochmuth zu verachten pflegten. Kaiser Ferdinand durste sichein Zahr zuvor getrost nach Wien werfen, als Bncquoi's Truppen schonüber die Donau von Thurn zurückgetrieben waren und dieser die Stadtbeschoß, während Beihleu Gabor mit großer Uebermacht heranzog.Allein Ferdinand war der tapfern Bürger und aller waffenfähigen, jun-gen Männer seiner Hauptstadt sicher. König Friedrich aber hatte durchseine unbedachten Handlungen sich die Bürger des festen Prags längstentfremdet: die Herren feiner Umgebung, die ihm so lange geschmeichelt,wagten es nicht mehr, ein Schwert zu seiner Vertheidigung zu ziehen,als die Gefahr vor den Thoren war." Vensen, Das VerhängnißMagdeburgs,

D. P.