Band 
Zehnter Band.
JPEG-Download
 

- 244 —

Karl IX.

Hatte Karl bis jetzt die Krone auSgeschlagen, die ihm dieStände und besonders das Landvolk so oft angeboten/ so hattedies einen doppelten Grund. Zuvörderst fühlte er lebhaft/ daßer nicht im Rechte war/ daß die Krone ihm nicht gebühre/ unddaß er die Usurpation der Gewalt nur durch den Willen derRation rechtfertigen konnte. Mußte er sich auch sagen/ daß erselbst diesen Willen bestimmt und geleitet hatte/ und er sich deS-halb Loch nicht im rechtmäßigen Besitze der höchsten Gewalt be-finde/ so beschwichtigte er die Stimme seines Gewissens wiedermit der Schwere der Zeiten/ die wenigstens nach seinem Dafür,halten eS unumgänglich nothwendig machte/ daß er an der Spitzedes Reiches stehe. Allein so weit vermochte er diese Stimme nichtzu unterdrücken/ daß er eS so leicht über sich gewinnen konnte/die Krone ihrem rechtmäßigen Erben zu entziehen. ES kosteteihn einen ununterbrochenen innerlichen Kampf, bis er sie sichendlich aufs Haupt gesetzt hatte; und selbst in seinem Testamentließ ihn noch daS Recht Johanns, des jüngeren, noch unmün-digen BruderS Sigismundö, auf die Krone nicht zur Ruhekommen. Der zweite Grund war, daß ihm überhaupt mehr dieGewalt als der KönigSname am Herzen lag; nur der Wunsch,die erstere auch seinen Nachkommen zu vererben, konnte ihn inspäterer Zeit auch zur Annahme des letzteren bestimmen. Indeßwar der erste Grund so sehr mir seiner ganzen Denkweise ver.wachsen, daß er, weit entfernt, seinen Reffen Johann je zurVerzichtleistung aus die Krone zu bestimmen, diese Verzicht,leistung, als sie wirklich aus freien Stücken erfolgte, nicht ein.mal anerkennen wollte und sogar ihre Gültigkeit bezweifelte.Ucberhaupc war es nicht sowohl Selbstsucht, als vielmehr dietiefgewnrzelte Ansicht, daS Volk bedürfe seiner nothwendig, unddie Selbsttäuschung, als füge er sich nur dem Willen der Ration,waS den Hauptantheil an Karlö Absichten auf die königlicheGewalt harte. Erst im Jahre 1604, und nachdem Herzog Jo.hann förmlich auf die Krone verzichtet hatte, nahm er den Kö.nigsiicel an. Er nannte sich Karl IX, der Schweden, Gothenund Wenden auSerwählter König und Erbfürst. Doch kaum hatteer den Königötircl angenommen, als ihn schon wieder der Ge.danke wurmte, Laß er ihm nicht gebühre. Er erklärte dem Reichs,rath, er wolle die Krone zu Gunsten seines Neffen Johann,des rechtmäßigen Erben derselben, niederlegen. (Seiner Denk.