Band 
Zehnter Band.
JPEG-Download
 

432

Petrus Raums 1502 72.

Ueberhaupt wurden aus dem AristoteliSmus so schändlicheund gefährliche Lehren entwickelt/ daß nicht zu erstaunen, wennLeo X und weltliche Fürsten Verbote gegen das Studium desPcripatetikers erließen. Bereits aber hatte als Gegengift sich dasStudium des Plato aufgethan; von Italien aus geben M arsil ioFicino und andere Glieder der florentinischen Akademie hiezudie Anregung. Sogar an der Pariser Universität, wo Aristotelesseinen Thron aufgeschlagen hatte, wagte gegen denselben PetrusNamus (Pierre laRam er) aufzutreten. Nach dreijäh.rigem Studium der Logik prüfte er, in wie weit dadurch seineKenntniß der Thatsachen zugenommen oder sein Vortrag sichvervollkommnet oder auch seine poetischen Anlagen sich ausge-bildet hatten, und er fand, daß dies Studium ihm in keinerWeise zur geistigen Förderung gereicht hatte. Dies bewog ihn,sich dem Plato zuzuwenden, bei dem er weit schlüssigere undgediegenere Denkformen zu finden glaubte. DicS allein war ihmübrigens bestimmend, nicht irgend eine Vorliebe für den Philo-sophen, denn er pflegte zu sagen: Würde mir ein Lastträger et-was Vernünftigeres sagen als Plato, so würde ich diesen ver-lassen, um jenem nachzufolgen. Er unternahm daher in seinenXniwnckversiones nristotoliene und Institutionos äinleelienoden Kampf gegen den Stagiritcn und seine Kommentatoren mitscharfem Wort, feinem Geschmack und großer Gelehrsamkeit;aber die Universität nahm an seinem Auftreten ein schweresAergerniß, beschuldigte ihn des VerrathS gegen Wissenschaft undReligion, und zog den König selber in den Streit, der desRamuS Lehre verdammen und den Ausspruch durch ganz Eu-ropa verbreiten ließ, zum großen Triumphe der Aristoteliker.Jedoch die Fürsten herrschen nicht im Reiche des Gedankens.Der Cardinal von Lothringen hob das gegen Ramns gerichteteLehrverbot wieder auf, und derselbe wandte sich nun der Mache-matik, als einer seinen Ideen günstigen Wissenschaft, zn. Baldaber fiel er als eines der Opfer der Bartholomäusnacht. Erwar inzwischen in Deutschland gewesen und hatte sich zu Heidel-berg den Reformirten angeschlossen. Noch lange währte übrigensder Streit zwischen den Ramisten und Antiramistcn.