Band 
Zehnter Band.
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eine Geschichte Spaniens von den entlegensten Zeiten an ver-faßte; seine Beschreibungen und Gespräche zeugen von meister-hafter Kunst, tragen jedoch den Fehler lokaler Unwahrheit ansich; nicht strenger nimmt er cS mit der Glaubwürdigkeit kleinerGeschichten, Legenden und Hexenfahrten, die er einwebt. „MeinVorhaben, sagt er, war nicht eine Geschichte zu schreiben, son-dern dasjenige, was Andere alö Material für mein Gebäude auf-geschichtet hatten, in einen Plan und guten Styl zu bringen,ohne mich an die Bewahrheitung der Einzelheiten zu binden;keiner darf daher mehr von mir verlangen, als mein Wille sichvorsetzt." Und in der That wiegt der Styl sein ganzes Verdienstauf, sowie glühende Vaterlandsliebe. Bei der Erzählung vonder Vertreibung der Mauren hält er inne und sagt: „Wir habennicht gewagt, die letzten Begebenheiten zu behandeln, da diesewegen des Anstoßes bei Vielen vermieden werden müssen." Abertrotz seiner außerordentlichen Klugheit und trotz der Vorsicht, dieer beging, indem er sein Werk Philipp 14 widmete, übergabdieser Fürst ihn der Inquisition als einen Liberalen, und nichtohne Grund, wie wir schon sahen.

Juan Sepulveda (1491 — 1572), Historiograph vonKarl V und Erzieher Philipps II, schrieb die Geschichte dieserbeiden Könige und der Kriege in Mexiko. Sein Werk ist eben-falls durch seinen Styl ausgezeichnet, aber seine Kritik verrätheine besoldete Feder, die namentlich die von den Spaniern inAmerika begangenen Grausamkeiten zu beschönigen sucht. Gero-nimo Zurita verfaßte mit kalter Gelehrsamkeit die AnnalenAragonienS, welche Bartolomeo d'Argensola fortsetzte,der für die dem Hofe so unbequemen Rechte der Corles in dieSchranken trat. — Die Geschichte der Eroberung Mexiko's vonAntonio di SoliS (1616-86) ist ungeachtet der so oft ge.lobten Reinheit der Schreibart immer gekünstelt, voll Antithesenund bei der großen Mannigfaltigkeit des Stoffes langweilig.Eigentliche Memoiren aber schrieben die Spanier, die doch sovieles Wunderbare hervorgebracht haben, nicht, wohl treu ihremSprichwörter Obrus ^ no palnbrns (Arbeite und rede nicht).

Außerdem verdient Karls V Leben von Sand oval nochErwähnung wegen der langen Kritik, welche la Mothe leBayer über dasselbe gab. Er liefert nämlich bei dieser Gelegen-heil eine vollständige Abhandlung über die historische Kunst, wo.bei er sein Hauptaugenmerk auf das Material, nicht die Form