Band 
Zehnter Band.
JPEG-Download
 

524

Diese Schrift, von ihrer Form entkleidet, ist eine Beweis,führung für daß Copcrnieanische System. Aber ist hier dasselbevon den ihm anklebenden, hinreichend besprochenen Irrthümern

so dürfen die Einzelheiten des Vorfalls hier nicht Übergängen werde».Den Gegnern Galilei's wird es nicht schwer, aus den betreffenden Um-ständen seine Schuld hcranszukonstruiren; eben so wenig schwer wirdeS seinen Vertheidigern, ihn unter Erläuterung des wahren Zusammen-hangs in Schutz zu nehmen. Von Mangel an Vorsicht und Ueberlegungaber darf man Galileo weder in diesem Falle noch in frühern freisprechen.Hätte er Bellarmins und Barberini's Rath befolgt, hätte er im StreitÜber die Kometen den Jesuitenorden geschont, welchem sein vornehmsterGegner Grossi angehörte, wie Msgn. Ciampoli ihm aufs Dringendsteriech, so würde seine ganze Angelegenheit eine andere Wendung genom-men haben. Aber er ließ sich immer von seinem Eifer hinreißen. ZnAnfang >630 schrieb er an seine Freunde, an Cesi (Duca d'Acquasparta,Stifter und Haupt der Lincei), an Marsili, an Buouamici, er sei mitder Revision seiner Dialoge beschäftigt; sobald er die letzte Hand darangelegt, denke er sich nach Rom zu begeben, um sie zu drucken. In derzweiten Hälfte des Mai kam er denn auch wirklich in Rom an undüberreichte das Manuskript dem Padre Maestro del sacro Palazzo oderobersten Büchercensor, dem Dominikaner Fra Niccolo Riccardi ausGenua, seinem ehemaligen Schüler. Riccardi, welcher in den Be-sprechungen über das Copernicanische System manche Sätze fand, dieihm über Form und Wesen mathematischer Hypothesen hinauszugehenschienen, ließ das Buch durch seinen Amtsgehülfen, den MathematikerP. Visconti, untersuchen. Dieser änderte manche Stellen ab, und nachzwei Monaten ertheilte der Padre Maestro das gewöhnliche Imprimaturzu dem in Rom zu bewerkstelligenden Drnck. Mit dieser Censur kehrteGalileo im Sommer nach Florenz zurück, in der Absicht, wie er anCioli schrieb, Inhaltsverzeichnis! und Widmung anzufertigen, und dasManuskript sodann seinem Gönner Cesi zn senden, um denDruck vornehme» zu lassen. — Da starb Federigo Cesi im August des-selben Jahres. Eine pestartige Krankheit machte alle Verbindung zwi-schen Toscana und dem Kirchenstaat langsam und beschwerlich. Galilei'sFreunde drängten ihn, er solle sein Buch in Florenz herausgeben. Erwandte sich an Riccardi, um dessen Genehmigung zu erlangen, aber derPadre Maestro hielt sich nicht für befugt, diese Genehmigung zu ertheilen.Nach langem Hin- und Herschreiben verwandte sich Cioli (Staatssekretär)aus Anlaß des Großherzogs zu Galileo's Gunsten in Rom. Am L4. Mail63l schrieb Riccardi dem P. Inquisitor zn Florenz, Fra ElementeEgidio, von den Minoriten-Conventualen von Santa Croce, über dieAngelegenheit. Er führte an, daß er dem Verfasser die Druckerlaubnißertheilt habe, unter der Bedingung, daß nöthige Verbesserungen ange.bracht und das Buch nach nochmaliger Vergleichung in Rom selbst