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Li Berengario aus Carpi, Professor zu Bologna/ dem Portadie Ehre verschiedener Entdeckungen zuschreibt, u. a. diejenigedeS vor der Netzhaut liegenden Membrans/ welche Entdeckungsonst dem Alpino zugeschrieben wird. Er war der Erste, wel-cher dem Texte Figuren hinzugab, und indem so die Kunst derAnatomie dienstbar wurde, erhielt sie zugleich durch dieselbeFörderung. Er hielt seine Schüler zu selbstständigen Beobach,tungen und Forschungen an, wie er auch Hunderte von Leichenseeirte — eine Kühnheit, die damals außerhalb Italiens nochohne Beispiel dastand. Leonardo da Vinci forschte über denmenschlichen Körper mit wissenschaftlichem und philosophischemSinn, und verfaßte eine Schrift über Anatomie zum Gebraucheder Maler. Er fand Nachahmer, u. A. an Albrecht Dürer(äo Immniii eorporis 8immstrin, 1524), der den männlichenund weiblichen Körper mit Hülfe geometrischer Figuren beschrieb,eine übertriebene und auch überflüssige wissenschaftliche Strenge.Walter Ryff, Arzt zu Straßburg, entwarf (1541) neunzehnanatomische Tafeln, welche die des Berengario übertreffen.
Dem großen Anatomen Alcssandro Benedetti von Leg.nago sind die erste Einrichtung eines anatomischen ThcarcrS, dieerste Kenntniß der SiphyliS, die Schöpfung der pathologischenAnatomie und andere große Fortschritte zu verdanken. Alö Ober.arzt der venezianischen Heere, diente er gegen Karl ^111., undHaller nennt ihn „den ersten medizinischen Qriginalschriftstel.ler". Benivieni aus Florenz unternahm lange vor Pare denVerband der Gefässe und viele Operationen von großer Schwie-rigkeit. *)
In Frankreich zeichneten sich als Anatomen aus GuidoChauliae und der Deutsche Günter, welcher zuerst Anatomiezu PariS lehrte, den Organismus des Gehöres beschrieb undleugnete, daß die angeborne Luft das unmittelbare Hörorgan sei.
Gaspare Tagliaeozzi lehrte das künstliche Ersetzen ein.zelner Körpertheile; man berichtete jedoch von wiedereingesetztenNasen und Lippen in Sieilicn bereits aus dem Jahre 1400**).Durch Zufall entdeckte der Provenzale Pierre Frane den
I)s »bckitis non imllis ao mirnnckis morboriim et LLnstlonnm etc.Florenz, 1514.
") Zu vergl. hierüber: ^Aontioo Oorvusio, vlta äi Vumillo kormo,183S.