Band 
Zehnter Band.
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beschloß. Vesal gerieth darüber in solche Entrüstung, daß ermehrere Handschriften verbrannte. Er ging zwar siegreich ausder Untersuchung hervor und wurde sogar zum Hofarzt gemacht;aber noch mehr als die Anfeindungen schadeten nun Lob undSchmeichelei der Sclbstständigkeit und dem Aufschwung seinesGeistes. Freilich fand er auch so selten Gelegenheit seine Kunstzu üben, daß er sich beklagt, in Spanien nicht einmal einenSchädel erlangen zu können. Als ein Edelmann an einer un-bekannten Krankheit starb, vermochte er die Verwandten ihm zugestatten, die Leiche zu scciren; indem dieselben aber behaupteten,das Herz habe sich noch unter dem Messer bewegt, verklagten sieden Vesal vor den Gerichten alS Mörder, vor der Inquisitionder Gottlosigkeit, und er ward zum Tode verurtheilc. Durcheinen Machtspruch Philipps II ward die Todesstrafe in Ver.bannung verwandelt; Vesal ging nach Venedig und schiffte sichals Chirurg der Truppen mit Malatesta von Rimini nach Cy-pern und Jerusalem ein; auf der Rückfahrt scheiterte er beiZante und erlag dem Hunger.

Mit ihm aber nahm die Anatomie einen kühnern Aufschwung.Der Modenese Gabriele Fallopio (1523—62), deS VesalöSchüler und Verehrer, überzeugte ihn von einigen Irrthümern,namentlich hinsichtlich der Bauchmuskeln, und bekundet eineFeinheit der Beobachtung ohne Gleichen, indem er die so zarrenKnöchelchen deS akustischen Systems, die Zusammensetzung derNasenhöhlen, der Kinnlade, des Brust, und Kreuzbeines undnamentlich der seitlichen Röhren oder Trompeten deS UteruSentdeckte, die seinen Namen tragen. In der Muskellehre wi.verlegte er GalenS Meinung über die Muskelfaser, indem erden Antheil der Nerven dabei leugnete und nachwies, daß ihreWirkung da aufhöre, wo die Fasern quer durchschnitten werden,dies aber bei dem Einschnitt der Länge nach nicht der Fall sei.In der Lehre von den Blutgefässen kannte er den kleinen Umlaufnicht und glaubte mit Galen, daß die Arterien Kanäle seien,welche die Lebensgeister vom Herzen dem ganzen Körper zufiih-ren. Doch aber verbesserte er dessen Irrthum hinsichtlich desBlinddarms, beschrieb mit Genauigkeit das Bauchfell und dasrechte Mundloch des Magens, und machte Mitrelfell, Brustfellund Thränendrüse bekannt. Er glaubte mit Galen, daß dieNerven vom Gehirn und nicht, wie Aristoteles, vom Herzenausgingen, jedoch schwankte er in dieser Ansicht. Er seeirke