Band 
Zehnter Band.
JPEG-Download
 

637

Worten ausspricht: „Die Schlachtreibe Gustav Adolfs ist,wie eine wohlgebaute Festung, im Stande, den Feind überallbestens zu empfangen, auf welcher Seite derselbe den Angriffwage. Nicht nur zieht der König den größtmöglichen VortheilauS seinem Geschütz, sondern jeder schwedische Musketier erfülltseine Aufgabe. Letzteres ist bei der Aufstellung des kaiserlichenFußvolkes unmöglich, denn aus großen unförmigen Viereckenkönnen nur zwei, höchstens drei Glieder Feuer geben, die übrigensind für nichts da. Hiezu kommt noch, daß ein solcher Men.schenklumpen leicht durchbrochen und in Unordnung gebrachtwerden kann. Dies steht bei der schwedischen Aufstellung nie zubefürchten; denn ehe die feindliche Reiterei zum Angriff auf dieschwedischen Musketiere vorrücken kann, sind diese durch die Pi-kenicrer und auf beiden Flügeln durch Reiterei gedeckt, welcheletztere gleichsam die Basteien der schwedischen Schlachtordnungbildet. Außerdem haben die Musketiere mehrere Rückhalte hin-ter sich, auf welche sie sich zurückziehen können. Endlich mußdie feindliche Reiterei vorher die so trefflich gegliederte ersteSchlachtreihe durchbrechen, bevor sie das zweite Treffen überden Haufen werfen kann. Da die Stärke jeder Schlachtordnungdarin besteht,-daß alle Glieder untereinander verbunden sind undsich gegenseitig unterstützen, so sehe ich nicht, wie die schwedischeOrdnung umgestoßen werden könnte, es müßte denn durch einenschnellen Ueberfall geschehen, der den Truppen deS KönigS nichtZeit ließe, sich aufzustellen."

Bei der Reiterei schaffte der König die großen Haufen unddie sonderbare AngriffSweise durch Hin. und Zurückreiten mitdem damit verbundenen mißlichen Ausschließen der Glieder ab.Keine Reiterei griff schwadronSweise an, jede Schwadron 15 bis16 Mann in der Fronte und 4 Mann tief. Glied schloß anGlied, Reihe an Reihe. Sobald man auf Schußweite war, setz.ten die Reiter ihre Thiere in Galopp, erst wenn man daö Weißeim Auge deS Feindes erkennen konnte, schoß daS erste und zweiteGlied seine Pistolen ab, warf das Plstol in den Halfter undgriff zum Degen. Der erste Stoß wurde nach dem Visire derfeindlichen Kürassire geführt, dann nach dem Kopfe deS PferdeSgehauen; die zwei Hinteren Glieder drängten nach, um mit derWucht ihrer Rosse und unterstützt von den Säbeln der beidenersten Reihen den Feind über den Haufen zu rennen. Das Pi.stol sollte, nach des Königs Ansicht, nur dazu dienen, eine Lücke