114
Gewalt abgenöthiget wird. Sollten die Menschen nichteinmal mit Glauben unö Zutrauen eine ihnen nüzlicheLehre annehmen dürfen, wie viel weniger einen Befehl/der ihre Person oder ihre äußeren Handlungen betrifft undstets ihre Freyheit mehr oder weniger einschränkt? Wennes weder Lehrer noch Schüler, weder Autorität nochGlaube mehr geben durfte, warum dann noch Herren undDiener, Obere und Untergebene in der Welt? Sollte je-der Mensch in geistigen, vorzüglich aber in religiösen Din-gen ein selbstftändiger Weiser, ein unabhängiger Hohen-priester seyn können, warum nicht auch ein weltlicherSouverain, der von niemand auf dem Erdboden Befehleannahm? Und wenn man eS für möglich ansah, sie a l l ean Vernunft und Einsicht einander gleich, mithin voneinander unabhängig zu machen, warum nicht auch anäußerer Macht, an Neichthum und anderen GlükSgütern?Diese Consequcnzen mußten sich durch die natürliche As-sociation der Ideen nothwendig ergeben, daher es sichauch erklärt, daß der Kampf gegen die Altäre und denThron, gegen Kirche und Staat, gegen Priester und Kö-nige 48> stets gemeinschaftlich, zu gleicher Zeit und auSden gleichen Principien betrieben wurde. Ursprünglichscheint zwar der Sturm gegen die weltlichen Oberen nichtin Voltaires Plan gewesen zu seyn. Seine GlükS. Um-stände so wie seine habituellen Neigungen waren ihm nichtgünstig und er hätte wahrscheinlich die Großen der Erdegern stehen gelassen, wenn eS ihm nur gelungen wäre alleGroßen an Geist zu vertilgen. Allein eö ist bekannt, daßschon seine ersten Jünger ihm seine dießörtige Inkonsequenzvorgeworfen haben und daß er theils durch die natürlicheIdeen-Association, theils aus Eigenliebe, um nicht den
4») Pfaffen und Schurken, wie die deutschen Aufklärer sichspäterhin auSdrüktem