346
Spur und da haben wir zugleich den wahren Sinn des gros-sen und unzerstörbaren Natur. Gesezes, daß nur derUeberlegene, der Mächtigere herrsche, oder umuns bestimmter auszudrükcn: daß da wo Macht und Bedürf-«iß zusammentreffen ein Verhältniß entsteht, kraft welchemder ersteren die Herrschaft, dem lezteren die Abhängigkeitoder Dienstbarkeic zu Theil wird, das aber deßwegen nichtminder der Gerechtigkeit ganz gemäß und zu beyderseiti-gem Vortheil abgeschlossen ist. rr BeydeS hängtsogar nichteinmal von dem Willen der Menschen ab, es ist allgemein,nothwendig, unzerstörbar, wie alles was göttlich ist. DerMächtigere herrschet, auch wenn er es nicht will und nichtsucht; der Bedürftige dient oder muß dienen, auch wennniemand seines Dienstes verlangt und die ganze Welt ihnfrey lassen wollte. Der grosse Gelehrte z. B., der Mann vonGenie der in wichtigen Dingen nüzliche Wahrheiten und Re-geln entdekt und bekannt macht, h e r r sch e t, ist Autorität für«ine Menge von Gläubigen, Urheber ihrer Entschlüsse undHandlungen, auch wenn er ste nicht sucht, ja nicht ein-mal kennt; und der Ungelehrte, der Geistes-Arme dient,erfolgt der Autorität anderer, auch wenn niemand ihnzwingt und wenn er sich noch so sehr für einen Selbst-Lenker ausgiebt. Laßt einen Reichen und einen Armen, einenWeisen und einen Thoren, einen Starken und einen Schwa-chen in Berührung kommen, es sey daß ste einander nö-
g) Man kann dieses immerhin einen Vertrag nennen wenn manwill, in sofern der Schwächere prasumirt wird zu seinemVortheil eingewilliget zu habe». Allein das scheint mir eineeben so gezwungene Subtilität zu seyn, als wenn man sa-gen wollte: et bestehe ein Vertrag zwischcffdem Menschen undder Sonne, daß er sich von ihr wärmen lassen wolle, oderzwischen ihm und dem Frost, daß er sich dichter kleide.