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findet Menschen, welchen der alte Lauff der Sonnen mißfall; undderen Liebe zu Neuerungen aus der runden Welt-Kugel gerne einViereck machte. Die Flüsse sollen nach ihrer Meinung von Auf,gang gegen Niedergang ihren Lauff nehmen; und die vierfüßige Thieregefielen ihnen besser, wenn sie durch die Lüffte flögen» Es ist unlaug-bar, das alte Mißbrauche zu besseren sind ; allein man muß anvsr fe,hen, ob sie solche seyen, und ob das Neue,, so man einführen will,bessere Folgen habe. Neuerungen sind gefährlich, und wenn sie zu,gleich schnelle sind, verliehen sie vieles, oder das meiste von demVernünfftigm, w il sie ein Werck unreiffer Gemütheren sind. Be,treffen sie die Grossen, die unter der vorigen Herrschung keine Kkag-den zu fähren hatten, entführen sie ihnen die Liebe zu dem neuen Für«sten, welche die innerliche Ruhe allein erhält. Sie ärgern sich , daßda die Leiche des erblichenen Vorführers noch nicht vollends erkaltetist, die Hochschatzung der alten Einrichtung schon erfrohren seyn solle.Sie drucken die Ehre der alten Regenten mit der Widerspansiigkeitgegen die neugebachne Verordnungen zu Vertheidigen. Das innertGedärme des Staats-Cörpers kommet aus der Ordnung, und derinnere Fried legt sich kranck zu Bette. Die Treu grosser Unterthanenfallt dahin, und die Zuversicht zu denk Fürsten minderet sich gar zusehr.
Betreffen sie das Volck, ist das Übel nicht besser. Der Unter-than mißt die neue Gesetze mit den alten wohl ab. Er ist nicht sodumm, daß er nicht erkenne, welches unter Herden ihm ersprießlicherseye. Sieht er, daß es auf seine Bmuckung, und auf die Schmäh,lerung seiner Rechten hinausziele, denn wird er fchwürig. DerSchwerm-Geist nimmt die Wuth zur Gehülfin; und derley schlechtüberlegte Neuigkeiten müssen entweder von dem Fürsten zu seiner eige-nen Beschämung wieder abgethan, oder wenn selbe doch gelten sollen,der innerliche Reichs - Fried zerschmettert werden. Gesetzt auch, daßder Unterthan das neue Joch doch tragen muß. Ist es dennoch ab-scheulich genug, daß sein Gemüthe von seinem Fürsten fern seye, undihm alle Liebe versage, welches ein schlechter Trost für einen Fürstenist. Er ist das Ober-Haupt verwerflicher Sclaven, welche ihm inden neugrschmiedeten Ketten wenig Ehre machen. Die Welt hat hier-von Beylagen genug, meine Worte wahr zu machen. Rufst man
noch