Erster Aufzug. 77
Herm. Die Gerechtigkeit schreitet langsamzur Strafe. Ich werde den Brief, das Laster,und den Schuldigen erwägen, und dann einenEntschluß fassen, der eines Mannes, und Deut-schen würdig ist.
S. Varus. Handle nach deinem Dünkel.Du siehst die Absicht des Kaisers, der nichts, alswechselseitigen Frieden verlanget, und daß dieGöttinn der Eintracht, der er einen prächtigenTempel erbauet, die Deutschen für immer mitden Römern verbinde.
Herm. Ihr selbst leget dieser Eintracht Hin-dernisse. —^ Wenn ich die Sache untersuchethabe, werd' ich dir antworten. (Sergiusgehrab).
Sechster Auftritt.
Hermann. Flavius.
Flar>. Darf ich nun auch reden, Bruder?
Hermann. Brüder sprechen einander frey,und nur Sklaven müssen um selbes anhalten.Vielleicht aber hat Rom, das sonst für alles je-dem Volke Gesetze schreibt, unsrer Zunge Leitungübernommen. Mahne mich, wenn dich deinSchweigen für mich Vortheilhaft denken gelehret.
Flav. Bruder, zeiget nicht diese Gesand-schaft zu Genügen, daß Rom nicht so, wie dir,und den Deutschen dasselbe der Neid schilderte,beschaffen sey? Wer ist nun tugendhaft, und einFeind des heuchelnden Truges? Der Römer,oder der Deutsche? Dieser macht den Verräther,und jener des Verrarhers Anzeiger.
Herm,