5 6 Von Lyrischen Poeten.
feinen Oden die Wirkung von der Begei-sterung , wovon ich anfangs geredet habe,sehr deutlich. Ja man könnte so gar glau-ben, daß man zu viel Kühnheit darinnenanträfe, wenn diese poetische Wuth nichthin und wieder, durch eine Vermischung mitden angenehmsten Zügen gemildert wäre.Der Poet hat dieses wohl eingesehn, unddiese Einsicht hat ihn auch bewogen, hinund wieder mit vollen Handen Blumenauszustreuen, in welchem Verfahren ihmso gar ferne Nebenbuhlerinn, die berühmteCorynna einer Ausschweifung beschuldi-get hat.
In der That lobt ihn Horaz aus kei-nem andern Grunde, als weil er so erhabenist. Seiner Meynung nach ist er einSchwan, welcher sich, durch einen gewalt-samen Schwung, und durch den Beystandder Winde bis in die Wolken erhebt: EinStrom, welcher durch viele Gewässer ange-wachsen ist, und alles, was sich seinem un-gestümen Laufe widersetzen will, mit sichfortreißt. Betrachtet man ihn aber vonandern Seiten: So ist er ein stiller Fluß,dessen klares und reines Wasser zwischenblumichten Ufern, über Goldsand fliestet.Er ist eine Biene, welche, zu Verfertigung
ihres