I Von lateinischen Poeten. 147
Cr konnte befürchten, daß er einen gefähr-? lichen Nebenbuhler an ihm erheben würde,welcher anfangs die Gunst ihres allgemeis! nen Beschützers mit ihm theilen, und ihn' nach der Zeit ganz und gar stürzen könnte.Allein Virgil hatte keinen einzigen von die-sen Gedancken, welche sich nur für nieder-, trächtige Seelen sch'cken, und er hatte mitI Rechte geglaubt, daß er seinen Freund,
^ noch mehr aber den Mäcen dadurch beleidisI gen würde. Denn es gieng in dem Hausedieses Lieblings nicht wie in den Häusernder meisten großen Herren und Minister zu,wo ein jeder nur auf seinen eignen Vortheil^ denkt, wo man über fremde Verdienste un-" ruhig wird, wo nichts ohne geheime Ver-
> ständnisse,und ohneVerräthereyen geschieh^
> wo man weder Ehre noch Treu und Glau-ben kennt, und wo sehr oft die boshaftestenAbsichten unter dem Scheine der zärtlichstenFreundschaft versteckt werden. „ So lebt„man nicht bey uns, sagte Horaz zu einem„Menschen, der ihm versprach, er wollte ihn,„wenn er ihm nur den geringsten Zutritt beyi,dem Mäcen verschaffte, in den Stand se-„tzen, daß er gar bald alle andre stürzen„könnte: So lebt man gar nicht in dem„Hause des Mäcens. Niemahls ist ein„Haus aufrichtiger, und von allen hermli-
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