2O6 Von lateinischen Poeten.
Augusts Zeiten können nichts ausweisen,welches lebhafter und feiner wäre, als dieseStrophen.
Claudia».
Claudian, ein lateinischer nnd heydni-scher Poet, war vonCauope ausAegyptengebürthig, und lebte unter dem Arcadius,und unter dem Honorius, welche ihm zuEhren eine Bildsäule aufrichten liessen. Erstarb kurze Zeit nach dem Arcadius.
Er verdient den ersten Platz unter allenheroischen Poeten, welche nach Augustsglücklichen Zeiten aufgetreten sind. Unterallen denen, welche sich bemüht haben, demVirgil nachzufolgen, kömmt er der Maje-stät dieses Dichters am nächsten, und läßtsich am wenigsten von der Verderbmß seinerZeit hinreisten. Man merkt wohl, daß er vielFähigkeit besessen hat, und zur Dichtkunstgebohren gewesen ist. Er war voll von demFeuer, woraus die Begeisterung entsteht.Seine Schreibart ist sehr ausgebessert,stressend, zierlich, und doch zugleich edel underhaben. Er hat zu viel sinnreiche Einfälle,die man nur der Jugend zu gute hält, undist über dieses zu schwülstig. Er hat Witzund Einbildungskraft, allein er ist von derfeinen Zierlichkeit, welche der Numerus her-vor-