Von der Philosophie. 70 r
Epimenides eine sehr genaue Freundschaftauf. Nachdem er sich auf diese Weise mitden verschiednen Wissenschaften so vieler Län-der bereichert hatte: So kam er endlich nachSamos zurück, und brachte die kostbarenBeuten mit, die der Endzweck und dieFrucht seiner Reisen waren.
Der Verdruß, sein Vaterland von derLyranney des Polykrates unterdrückt zusehen, bewog ihm den Entschluß zu fassen,sich selbst, so zu sagen, fteywillig daraus zuverweisen. Er begab sich in den Theil vonItalien, der Großgriechenland hieß,und nahm seine Wohnung zu Crotona indem Hause des Milo, dieses berühmtenAthleten, wo er die Philosophie lehrte.Daher hat die Secte, die er gestiffiet hat,den Nahmen der Italischen.
Ich habe schon angemerkt, daß von ihmdiejenigen, welche in der Wissenschaft derNatur eine grosse Kenntniß erlangt hatten,und ein ordentliches und tugendhaftes Le-ben führten, Weise, genannt wur-den. Dieser Nahme kam ihm zu stolz vor,und er erwählte sich einen andern, welcheranzeigte, daß er sich nicht den Besitz derWeisheit, sondern nur die Begierde, sie zubesitzen zueignete. Er nennte sich einen
Philo-
ruscuk.D-uaest.libr.n. 9.