Von der Philosophie. 8iZ
von einem eitlen Stoltz aufgeblasen macht,und ihn mit einer Standhaftigkeit erfüllt,welche nichts, als Härte, ist. Die wahreReligion unterrichtet ihre Schüler ganz an-ders. Sie verkleidet die Tugend nicht un-ter schöne, aber phantastische Vorstellun-gen. Sie erhebt die Menschen zu einer wah-ren Grösse, aber nicht anders, als indem siedieselben ihre eigne Schwachheit erkennenund gestehen lehrt.
Wir wollen einen Mann hören, welcherauf die grausamste unter allen Proben ge-setzt worden ist. Ich meyne den Hiob.Man verkündigt ihm Schlag auf Schlag,und fast ohne Aufschub den Verlust aller sei-ner Heerden, so wohl der grossen als derkleinen; die Gefangenschaft oder Ermor-dung seiner Sclaven; endlich den Tod allerseiner Kinder, welche unter den RuinendesHauses zerschmettert und begraben waren,wo sie alle zusammen gespeist hatten. Mit-ten unter diesen schweren Schlägen, die sounvermuthet, so geschwind verdoppelt, undso fähig waren, die tapfersten Seelen zu er-schüttern , entflieht ihm keine einzige Klage.Er ist allein aufdie Pflicht dieses kostbarenAugenblicks aufmerksam, und unterwirftsich dem Willen der Vorsehung: DerHERR hatte mir alles gegeben, der
HErr