Band 
[Theil II.]
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48 l. Von der Bildhauerkunst.

ganzen Kunst ist. Dabey muß aber sich nie«mand einbilden, daß er ein Michelagnolo sey,welcher in seinem hohen Alter oftmals zum Schre-cken seiner Schüler den Stein bis auf das Leben-dige angriff, und ohne Gefahr erstaunliche Klö-tzer herunter schlug, und also durch einen Schlagoft mehr ausrichtete, als andre in vielen Stun-den. Das macht aber, weil er eine sichere undmuthige Gewalt sowohl über den Stein als überdas Eisen hatte. Er war ein mächtiger Gebie-ther seiner Hände, die seinem Verstände, so langeer lebte, ihren Gehorsam niemals versagten.

Vorzeiten wurden die Schüler auch aus'fol-gende Art abgerichtet: Sie mußten das Originalin eine Mulde vor sich hinlegen, welche Art aberin Italien endlich um deswillen für nichtöwürdigerkannt wurde, weil das Werk dadurch seltengut gerieth. Man sagt, oben genannter Bre«sciano habe seinen Moses also verfertiget, derdeswegen zu kurz geworden sey. Michelagnolosoll die Originalstatüe in einen Trog voll Wassergelegt haben, welches er nach und nach abgelassenhabe. Die Theile sollen also punktweis emporgestiegen seyn, die er in Acht genommen, und siehernach in den Marmor übergetragen habe. DieseArt kann wohl einem Schriftsteller, aber keinemKünstler gefallen. Diese bleiben bloß bey demstehen, was Michelagnolo in seinem Alter übte,und nicht bey dem, was er in der Jugend nurals einen Versuch angestellt hatte. Das rath-

samste