Band 
[Theil II.]
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92 k. Von der Bildhauerkunst.

Fäulniß; ja man siehet, daß ganze Bildersaulenvon Helden dem Untergang entgegen eilen.

Dieses traurige Schauspiel sollte mich fast ab»halten, von der Kunst noch ferner zu handeln.Jedoch dergleichen Beyspiele müssen nicht zurNachahmung reizen. Denn wo man nur stetsder Unwissenheit opfert, und die Geschichte nir-gends beherbergen will, da verlangt man wederdie Thaten der Helden, noch ihre Angesichts zusehen. Wollen wir denn einem solchen Beyspieleblindlings nachfolgen? Nein! ich will lieber mei-nen Vorsatz ausführen:

Es ist unstreitig, daß in der so edlen undewigdaurenden Bildhauerkunst nichts schwerer ist,als ein halb erhabenes oder rundes Portrait nacheinem Gemälde zu 'modelliren, und in Marmoroder Melall zu übertragen. Diese Beschwerlich-keit wird dadurch noch größer, wenn der Pinsel,die Farbe, die Zeichnung und der Ausdruck nichtsals Ungeschicklichkeit zeiget. In einem so be-trübten Umstände kann sich der Künstler wederdurch das Gute, noch durch das Schlechte, viel-wemger durch die Profile Rath verschaffen. Erist schlechterdings genöthiget, das Urbild, wie esist, nachzuahmen, nicht nachzuforschen, sondernzu gehorsamen, und sich zu befleißigen, damit die-fclbige Stellung nachgemacht werde, die sich imGemälde zeiget; folglich muß das Gesicht auf dieSeite gewendet seyn, auf welche das Urbild hin-sieht; es muß also auch dasselbige Ucht und der-jenige