t. Von der Bildhauerkunst. 95
der sich erfreut, wenn ein andrer ihn übertrifft,und dadurch ihm den Eifer einflößet, endlich denMuth, das Werkzeug und die Hand des Phidiaszu erlangen.
Jedoch ich wende mich nach dieser angeneh-men Ausschweifung wiederum zu meinen Schü-lern, und sage, daß die Beschwerlichkeit, eine Ab-bildung änlich zu machen, fast unüberwindlichwird, wenn man gar kein Gemälde hat, und zueiner solchen Arbeit nur mit einer Beschreibungsich behelfen muß. Sie vergrößert sich aber nochweit mehr, wenn die gehörige Bequemlichkeit undandre Hülfsmittel mangeln. In solchen Umstän-den nimmt man die Zuflucht zu jemanden, der ct-wan mit dem bestimmten Angesicht entwederganz oder zum Theil einige Aeulichkeit hat, wo-durch endlich doch etwas wahrscheinliches entsteht,weil das Wahre unmöglich ist.
Dergleichen mißliche Umstände geben auchAnlaß, die besondern Gefichksbildungen eines Lan-des zu betrachten, in welchem der Held geborenist, den man abschildern soll. Jede Nation hatihre besondern Charaktere und Formen von Ge-burt, wie wir schon anderwärts gehört haben.
Freundliche und artige Gesichtsbildungen,sanfte und geschmeidige Köpfe, und Gesichter,welche sich beständig nach allen Seiten wenden,sind allemal für den Modellirer eine rechte Quaal.Sie kommen zwar selten vor, es geschieht aber
doch