I24 IX. Kurze Geschichte einiger Maler
Correggio, von seinem Geburtsort, odervielmehr von seinem Vater Anton Allcgri gc»nannt, besaß eine so gratiöse und ihm eigene Ein»fält in seinen Weiber-undKinderfiguren, in seinerKleidung, Colorit und Erfindung, daß er alle Ma»ler übertraf. Seine Manier in der Zeichnungund Arbeit ist groß, und der Pinsel der leichtesteund angenehmste. Zu allen seinen Gemäldenherrschen Stärke, Rundung, Lieblichkeit, 'An-muth und Lebhaftigkeit der Farben. Seine Lich-ter sind wunderbar ausgetheilt, wodurch allesstark und erhaben wird. Er breitete das Lichtaus, und ließ es sich am Ende dermaßen nachund nach im Braunen verlieren, welches die Run-dung und Erhabenheit verursachte, ohne daß manwahrnehmen konnte, woher eine solche Starke undZufriedenheit des zuschauenden Auges herrühre.Seine Art, Köpfe, Hände, Füsse und andre Theilezu zeichnen, ist der Nachahmung würdig. Ermalte mit einer solchen Vermischung und Ein-tracht der Farben, daß seine größesten Gemäldeeinem vorkommen, als wenn sie in einem Tageangefangen und ausgeführt wären, oder, alswenn sie in einem Spiegel erschienen und glänz-ten. Er lebte nicht langer als 40 Jahre, undstarb l5Z4,und war also lange Raphacls Zeit-genosse. Er konnte dahero, wenn er ein Bildvon ihm zu sehen bekam, und es ernstlich betrach-tete, mit aller Billigkeit gleichsam in einer Ent-zückung ausrüsten: 8on pittor knicke mi, wel-ches ihm seit ^oZahren nicht widersprochen wor-
den.