Band 
[Theil II.]
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» 466 Anhang. I. Schreiben über die

ben, ob dergleichen möglich sey; alle diese Dingezeigen eine schwache Urtheilskraft derjenigenKöpfe an, welche dergleichen beobachten, und nichtentscheiden können, was eigentlich mit gewissemAnstande seyn kann oder nicht. Bilder, die derWahrheit nicht änlich sind, müssen nicht ge«billiget werden, sagt Vitruvius. Wenn wiralso das in Schildereyen gut, heißen wollen, waswir in der Natur und Wahrheit nicht haben kön-nen; so werden auch wir in die Zahl derjenigengesetzt werden, welche Licinius wegen solcherFehler für dumm und einfältig hielt.

Ich bin beständig der Meynung, daß derglei-chen erdichtete Ungeheuer, welche im AlterthumChimären genennt wurden, unter uns aber narri-sche Einfälle und Grillen heißen, bey den altenGriechen und Römern nur zu dem Ende erfundenworden, daß man gewissen Mauern und Gemä-chern, wo ernsthafte und wahrhafte Geschichtenicht anständig waren, durch allerhand Farbeneine Zierde und Ansehen beybringen könnte»Weiße Gewölber und Wände beleidigen das Auge;dahingegen verschiedene stäche und erhabene, mitglühenden Farben 'gezierte Bilder ergötzen.Schmutz und Flecken im Kalk oder Gyps locken oftungefähr das Auge an sich; sie reizen und hallen esauf; es fällt manchmal auf Dinge, die ganz neuewidernatürliche Formen darstellen, die Einbildungerwecken, und dem Verstand Anlaß geben, etwaswahrzunehmen, das bloß in der Einbildung be-

stehet.